News
23.03.2016

Familienalltag mit Erdnussallergie – Ein Vater erzählt

Aus Datenschutzgründen zeigt das Foto nicht Luis.

Teil 2: Einkaufen und Essen

Über die Allergie und ihr Krankheitsbild können sich Allergiker und Angehörige mittlerweile gut informieren, auf Webseiten, mit Hilfe von Broschüren, im Arztgespräch. Den Familienalltag mit allergischen Kindern kennen in der Regel nur die Familien selbst. In unserer fünfteiligen Serie lassen wir einen Familienvater mit einem hochallergischen Kind zu Wort kommen, wir geben Einblicke, wollen Verständnis schaffen, auch ermutigen und Wege durch den Alltag aufzeigen. Wir sprachen mit Christian, 41, aus Berlin, über die Herausforderungen, die sich durch die schwere Erdnussallergie seines Sohns Luis ergeben. Im Alter von vier Jahren wurde die Allergie festgestellt, der Junge ist heute neun. Gemeinsam meistert die Familie den Einkauf und die Mahlzeiten.

Einkaufen und Essen mit Erdnussallergie
Schon Spuren von Erdnüssen können bei Luis allergische Reaktionen hervorrufen. Deshalb trägt er immer zwei Adrenalinspritzen, Antihistaminika, ein Asthmaspray und Kortisontabletten in einer Bauchtasche bei sich. Die letzte heftige Reaktion hatte er, bevor die Eltern herausfanden, dass er an einer Erdnussallergie leidet. Das war noch zu Kita-Zeiten. Heute ist er viel besser geschützt.

Um eine allergische Reaktion zu vermeiden, muss die Familie beim Einkaufen im Supermarkt viel Zeit investieren, auch wenn laut EU-Lebensmittelinformationsverordnung die 14 häufigsten Allergene auf der Produktverpackung gut lesbar ausgewiesen sind. „Die Allergenkennzeichnung ist insgesamt besser geworden und wir wissen mittlerweile auch, mit welchen Strategien die Firmen kennzeichnen“, erläutert Christian. „Wenn zum Beispiel alle 14 Allergene als Spuren angegeben sind, ist klar: Die Qualitätssicherung ist nicht gut, vorsichtshalber wird alles angegeben. Diese Waren nehmen wir dann nicht. Wenn dagegen nur bestimmte Allergene angegeben sind, gehen wir davon aus, dass der Hersteller den Inhalt genau kennt. Auf diese Angaben haben wir uns bisher auch verlassen können.“

Ihre Ernährung hat die Familie an Luis‘ Allergie angepasst, unvorhersehbare Situationen gibt es trotzdem. „Ein Bekannter hatte Ciabatta mit selbst gemachtem Aufstrich mitgebracht. Das durfte Luis erstmal nicht essen, weil es natürlich keine Allergenkennzeichnung hatte. Dafür griff sein jüngerer Bruder zu. Normalerweise gilt bei uns die Regel, dass in unklaren Fällen beide es nicht essen dürfen, sondern nur die Erwachsenen“, Christian macht eine Pause. „Als Luis mitbekam, dass sein Bruder den Aufstrich trotzdem aß, brach er in Tränen aus.“

Vor großen Ereignissen wie Schulwechsel oder Umzug wird Luis‘ Allergie auf Veränderungen getestet. Auf ständige medizinische Tests verzichtet die Familie. „Da gibt es unterschiedliche Philosophien“, führt Christian aus. „Manche Ärzte empfehlen häufig zu testen, weil Allergien wieder verschwinden können. Manche sagen aber auch, dass sich durch die Tests, bei denen die Kinder gezielt Erdnüsse bekommen, die Allergie verschlimmern kann. Wir haben den Mittelweg gewählt.“

Wir danken Christian für dieses Interview. Gesprochen hat er mit Matthias Colli und Johanna Rupp von ECARF.


Christian

Nächster Teil:
- Mit Erdnussallergie beim Kindergeburtstag

Bisher:
- Teil 1: Schulalltag -