Erdnussallergie

Die Erdnuss ist im botanischen Sinne keine Nuss, sondern eine Hülsenfrucht. Sie gehört zu den Nahrungsmitteln, die besonders häufig schwere allergische Reaktionen hervorrufen. Manchmal reichen dafür schon geringe Mengen von einem Milligramm. Zum Vergleich: Eine Erdnuss wiegt 500 bis 1000 Milligramm.

Verbreitung

In den industrialisierten Ländern leiden etwa ein bis zwei Prozent aller Kinder an einer Erdnussallergie. Berücksichtig man nur Studien, in denen die Allergie durch sogenannte Provokationstest festgestellt wurde, zeigt sich für Europa: Hier sind etwa 0,2 Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen.

Auslöser

Die häufigste Form ist die primäre Nahrungsmittelallergie. Dieser Allergietyp kommt am ehesten im Kindesalter vor. Dabei reagieren die Betroffenen auf bestimmte Proteine (Eiweiße) der Erdnuss, meist auf sogenannte Speicherproteine, allergisch. Die Speicherproteine sind für das Wachstum der Pflanze wichtig und so stabil, dass sie durch Erhitzen oder Magensäure nicht angegriffen werden. Lassen sich im Blut viele IgE Antikörper gegen das Speicherprotein Ara h 2 nachweisen, so ist oft auch das Risiko für schwere allergische Reaktionen erhöht.

In Europa und den USA konsumiert man Erdnüsse oft geröstet  – in der Schale, geschält oder zu Erdnussbutter oder -flips verarbeitet. In Asien werden die Hülsenfrüchte meist roh zum Kochen verwendet. Ob roh, geröstet oder gekocht – Erdnüsse können in jeder Form allergische Reaktionen hervorrufen. Allerdings scheinen Röstprozesse die Allergenität zu erhöhen, während langes Kochen roher Erdnüsse die allergenen Eigenschaften eher zu senken scheint. Übrigens kann auch Erdnussöl Allergiesymptome auslösen. Raffiniertes (wärmebehandeltes) Erdnussöl wird meist besser vertragen als kaltgepresstes Erdnussöl.

Nach europäischem Lebensmittelrecht müssen alle Lebensmittel, die Erdnüsse enthalten, gekennzeichnet werden. Auch bei loser Ware sind solche Informationen verpflichtend. Produkte, die keine Erdnüsse enthalten, können trotzdem Spuren der Hülsenfruchte aufweisen, wenn im Herstellungsbetrieb Erdnüsse verarbeitet werden. Das zuverlässig zu erkennen, ist nicht immer möglich, da der Warnhinweis „Kann Spuren von Erdnuss enthalten“  für die Hersteller freiwillig ist. Eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung aus dem Jahr 2015 zeigte aber, dass sich die meisten Hersteller an die Empfehlung halten: Von 633 Produkten (darunter Frühstückszerealien, Pizzas, Süßwaren), die nicht mit einem Hinweis versehenen waren, enthielten nur zwei Proben sehr geringe Spuren von Erdnüssen. Etwas mehr Sicherheit erlangen Betroffene mit einer schweren Allergie, wenn sie bei den Herstellern direkt nachfragen.

Beschwerden

Eine Erdnussallergie kann an verschiedenen Organen leichte aber auch heftige allergische Reaktionen erzeugen. Die Beschwerden reichen vom sogenannten oralen Allergiesyndrom, bei dem die Schleimhaut im Mund- und Rachenraum wenige Minuten bis Stunden nach der Aufnahme kribbelt oder anschwillt bis hin zum anaphylaktischen Schock mit Atemnot und Kreislaufstillstand.

Es kann zu Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall kommen. In manchen Fällen sind die Atemwege beteiligt und es entwickeln sich ein allergischer Schnupfen oder asthmatische Beschwerden. Auch die Haut ist möglicher Schauplatz allergischer Reaktionen: Neben Juckreiz, Rötung oder Nesselsucht kann eine Erdnussallergie auch Neurodermitis-Schübe verstärken oder auslösen. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene mit Asthma bronchiale zählen zu der Risikogruppe, die schwere anaphylaktische Reaktionen erleiden können.

Erdnussallergie im Kindesalter

Eine Erdnussallergie entsteht meist im Kindesalter und bleibt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen ein Leben lang bestehen. Da Erdnüsse als „verstecktes“ Allergen in vielen Lebensmitteln vorkommen und lebensbedrohlichen Reaktionen hervorrufen können, ist die korrekte Diagnosestellung wichtig. Leidet ein Kind an einer ausgeprägten Allergie gegen Erdnüsse, hat das oft große Auswirkungen auf die Lebensqualität der betroffenen Familien. Jedes Essen außerhalb des Hauses – ob in Kita, Schule oder bei Freunden – kann zum Problem werden. Hier helfen eine Ernährungsberatung und eine Anaphylaxie-Schulung für Kinder und Eltern, um mit den Risiken im Alltag gut umzugehen.

Erdnussallergie im Erwachsenenalter

Tritt die Erdnussallergie bei Jugendlichen oder Erwachsenen erstmalig auf, handelt es sich meist um eine sekundäre Allergie. Dabei sind die Betroffenen ursprünglich gegen Birkenpollen (oder auch Gräserpollen) allergisch. Da einige Eiweiße dieser Pflanzen im Aufbau bestimmten Erdnuss-Eiweißen ähneln, kann durch eine sogenannte Kreuzreaktion auch eine Allergie gegen Erdnüsse entstehen. Meist verläuft eine sekundäre Erdnussallergie milder und die Reaktionen sind auf den Mund- Rachenraum beschränkt.

Diagnoseverfahren

Ob eine Erdnussallergie vorliegt, klärt der Arzt oder die Ärztin zunächst in einem Gespräch über Essgewohnheiten und Beschwerden. Der Verdacht auf eine Allergie wird mit einem Haut- und/oder Bluttest weiter abgesichert. Diese Tests zeigen eine Allergiebereitschaft für einen bestimmten Stoff an, sie können jedoch keine Allergie beweisen. In Deutschland finden sich bei jedem zehnten Kind erdnussspezifische IgE-Antikörper im Blut. Nur ein Bruchteil davon ist jedoch tatsächlich an einer Allergie erkrankt. Deshalb wird im Zweifelsfall ein weiteres Diagnoseverfahren herangezogen: Der Provokationstest. Dabei werden dem Patienten unter ärztlicher Beobachtung kleinste Mengen eines Allergens verabreicht. So kann überprüft werden, ob die Erdnuss allergieauslösend ist (und wenn ja in welcher Menge) oder ob sie von der Liste der verdächtigen Stoffe gestrichen werden kann.

Therapie

Eine Erdnussallergie wird am effektivsten gelindert, indem die Auslöser gemieden werden.

Menschen mit einer schweren Erdnussallergie, bei denen bereits kleinste Mengen Erdnuss einen anaphylaktischen Schock auslösen können, müssen ein Notfallset bestehend aus einem Adrenalinautoinjektor, einem  Kortikosteroid (flüssig oder in Tablettenform)  und einem Antihistaminikum (flüssig oder in Tablettenform) bei sich tragen.

Eine Immuntherapie (Hyposensibilisierung) wie sie bei Pollen-, Insektengift- oder Hausstaubmilbenallergie eingesetzt wird, gibt es bei Nahrungsmittelallergien nicht. Allerdings legen Studien aus dem Jahr 2014 nahe, dass bei der Erdnussallergie künftig eine Hyposensibilisierung  erfolgreich sein könnte. Dabei werden den Betroffenen stetig steigende Dosen des Erdnusseiweiß zugeführt und das Immunsystem so stimuliert, dass am Ende der Therapie auch größere Mengen vertragen werden. Allerdings müssen die Nebenwirkungen und die Dauer der Wirksamkeit noch genauer untersucht werden. Bis dies der Fall ist, sollte die Therapie vor allem wegen möglicher heftiger Nebenwirkungen nicht außerhalb von klinischen Studien angewendet werden.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. T. Zuberbier
Letzte Änderung: Juli 2016