Nickelallergie

Nickel ist ein hartes, silberweißes Metall, das sich in der Erdkruste befindet. Seit seiner Entdeckung in 1751 ist es aus den industriellen Produktionsprozessen kaum noch wegzudenken. Es ist kostengünstig und dank seiner Dehnbarkeit gut zu verarbeiten. Um den Anstieg an Nickelallergien zu stoppen, erließ die Europäische Union 1994 eine Nickelrichtlinie, die den Einsatz von Nickel reguliert.

Die Nickelallergie zählt zu den so genannten Kontaktallergien (auch Typ IV- oder Spättyp-Allergien). Anders als bei den Soforttyp-Allergien (dazu zählen zum Beispiel Pollen-, Insektengift- und die meisten Nahrungsmittelallergien) zeigt sich beim Spättyp die Reaktion zeitverzögert. Nach dem Allergenkontakt können zwischen 24 und 72 Stunden vergehen, bis sich die ersten Beschwerden bemerkbar machen. Grund für diese „Verspätung“ sind die so genannten T-Helferzellen (Fachbegriff: T-Lymphozyt).

T-Helferzellen spielen für das Immunsystem eine wichtige Rolle und kommen in den Lymphknoten und in den unteren Hautschichten vor. Sie sind wichtig zur Abwehr von bestimmten Infektionen.  Sie hängen sich an Fremdkörper und aktivieren andere Zellen des Immunsystems, damit sie den Fremdkörper vernichten. Danach bilden sie so genannte T-Gedächtniszellen. Das sind Zellen, die sich sehr genau gemerkt haben, welche Eindringlinge unerwünscht sind, um bei erneutem Kontakt schneller reagieren zu können.

Bei einer Kontaktallergie merkt sich die T-Helfer-Zelle eine vermeintlich harmlose Substanz wie zum Beispiel Nickel. Kommt die Haut danach noch einmal mit dem Umweltstoff in Kontakt, wandern die T-Helferzellen in die oberen Hautschichten und verursachen eine Entzündungsreaktion. Die Zeitverzögerung entsteht unter anderem deshalb, da die Zellen diesen Weg zurücklegen müssen.

Verbreitung der Nickelallergie bei Kindern und Erwachsenen

Nickel ist das häufigste Kontaktallergen weltweit. Es gibt eine Reihe von Studien, die anhand von Hauttests untersucht haben, wie viele Menschen eine Sensibilisierung (Allergiebereitschaft) auf Nickel entwickelt haben. Für Deutschland konnte eine Untersuchung durch die Auswertung von mehr als 100.000 Patientendaten zwischen 2005 und 2014  zeigen, dass durchschnittlich 8,5 % der Kinder zwischen 0 – 10 Jahren, 12,35 % der Jugendlichen zwischen 13-17 Jahren und 15,5 % der Erwachsenen eine Sensibilisierung für Nickel haben. Zum Vergleich: Eine europaweite Studie geht davon aus, dass in Italien 25.9 %, in Spanien 24% und in Dänemark 11.9% der Bevölkerung sensibilisiert sind. Eine Sensibilisierung bedeutet jedoch nicht, dass alle positiv Getesteten auch tatsächlich allergische Beschwerden haben. Sicher ist: Eine Sensibilisierung ist Voraussetzung für die Ausprägung einer Allergie. Das heißt umgekehrt: je mehr Menschen in einem Land sensibilisiert sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie ein sogenanntes Kontaktekzem entwickeln. Dabei hat sich herausgestellt, dass Frauen generell ein höheres Risiko haben, eine Nickelallergie zu entwickeln als Männer. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass der Kontakt mit Modeschmuck und Piercings die Sensibilisierung auf Nickel fördert.

Tatsächliche Beschwerden in Form eines allergischen Ekzems – ausgelöst durch Nickel oder andere Stoffe – entwickeln im Laufe ihres Lebens 8,0 % der deutschen Erwachsenen. Das ist das Ergebnis einer breit angelegten Patientenbefragung des Robert-Koch-Instituts zwischen 2008 und 2011. Dabei gaben 12.7% der Frauen in Deutschland an, bereits einmal die Diagnose „Kontaktallergie“ erhalten zu haben, bei den Männern waren es 3.4%. Von den Kindern sind 5,6 % von Kontaktekzemen betroffen.

Beschwerden

Das Wort „Ekzem“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „aufbrausen/aufkochen“. Bei den meisten Betroffenen sind die Beschwerden auf die Hautgegend beschränkt, die mit dem Allergen Kontakt hatte (zum Beispiel die Hautfläche um den Bauchnabel bei einer nickelhaltigen Gürtelschnalle oder Hosenknopf). Häufige Nickel-Kontaktstellen sind: Handflächen, Finger, Bauchnabel, Ohren oder Handgelenke.  Typische Anzeichen einer Nickelallergie sind starker Juckreiz, Brennen oder Schmerzen, Rötung, Schwellung, Papeln, nässende Bläschen an der Kontaktstelle, bei chronischem Kontakt auch Schuppung oder Verdickung der Haut.

Auslöser

Nickel ist nahezu überall. Das Metall findet sich in Schmuck, Armbanduhren, Batterien, Piercings, Euro-Münzen, (Sonnen)- Brillen, Gelenkprothesen, Espressomaschinen, Bügeleisen, Büromaterial, Papier, Tattoofarben, Blumenerde, Türgriffen, Zahnspangen, Zigarettenrauch, Musikinstrumenten, Kochgeschirr, Regenschirmen, Lederwaren, Injektionsnadeln, Haarnadeln, Lockenwicklern, Kochtöpfen und Mobiltelefonen.  Während in den 1930er-Jahren vor allen Dingen Strumpfhalter und Stricknadeln allergieauslösende Wirkung hatten, traten seit den 1970er Jahren Jeansknöpfe, Modeschmuck und Piercings in den Vordergrund. Berufsbedingte Nickelallergien kommen zum Beispiel bei Reinigungsfachkräften oder Kassenpersonal vor.

Durch die EU-Nickelrichtlinie ist festgelegt, dass nickelhaltige Erzeugnisse, die für einen unmittelbaren und längeren Hautkontakt vorgesehen sind, nicht mehr als 0,5µg Nickel pro Quadratzentimeter pro Woche freisetzen dürfen. Für Erststecker bei Piercings wurde die Freisetzungsgrenze auf 0,2 µg/cm² pro Woche begrenzt. Die europäische Chemikalienverordnung REACH legt fest, dass der Nickelgehalt in Spielzeugen ebenfalls nicht höher als 0,5µg Ni/cm2 /Woche sein darf.

Neben industriell hergestellten Produkten enthalten auch Lebensmittel wie Kartoffeln, Getreide und Obst Nickel, da sie das Metall während des Wachstumsprozesses aus der Erde aufnehmen.

Diagnoseverfahren

Ein wichtiger Baustein des Diagnoseverfahrens ist die sogenannte Anamnese. Dabei befragt der Arzt den Patienten nach Gewohnheiten, familiären Vorbelastungen und Symptomen und leitet dann mögliche Ursachen ab. Manchmal kann es schwierig sein, die Kontaktallergie von anderen Ekzemformen wie der Neurodermitis abzugrenzen. Ein Hauttest kann den Diagnoseprozess unterstützen.

Steht Nickel als Allergieauslöser im Verdacht wird das Ergebnis der Anamnese mit einem Hauttest weiter abgesichert. Bei der Kontaktallergie kommt der Epikutantest zum Einsatz. Dabei wird ein Pflaster mit Testkammern auf die Haut – üblicherweise am Rücken – aufgeklebt. In den Testkammern enthalten sind Allergenpräparate und gegebenenfalls im Verdacht stehende Produkte des Patienten. Die Ablesung erfolgt nach 48 und 72 Stunden.

Kontaktallergien können von verschiedenen Substanzen ausgelöst werden. Neben Nickel können unter anderem auch Kobalt, Chromat, Konservierungsstoffe, pflanzliche und synthetische Duftstoffe, Wollwachsalkohole, Perubalsam oder Farbstoffe allergische Entzündungsprozesse der Haut verursachen. Um das Allergen meiden zu können, ist es wichtig, den allergieauslösenden Stoff möglichst genau zu identifizieren.

Therapie

Die effizienteste Methode, um eine Linderung der Beschwerden zu erreichen, ist das Vermeiden des allergieauslösenden Stoffes. Wer unter einer Nickelallergie leidet, sollte sich nach Möglichkeit von nickelhaltigen Gegenständen im Alltag fernhalten und insbesondere längeren Hautkontakt umgehen. Lässt sich der Kontakt nicht vollständig vermeiden, können Schutzmaßnahmen wie Handschuhe oder Schutzkleidung helfen.

Sollte das Ekzem auch bei sorgfältiger Allergenvermeidung weiter bestehen, können kortisonhaltige Cremes die Symptome lindern.

In Ausnahmefällen können sich Ekzeme bei Patienten mit ausgeprägter Nickelallergie bei Zufuhr von Nickel mit der Nahrung verstärken. Bevor die Betroffenen aber eine längere nickelreduzierte Diät einhalten, sollte erst eine orale Provokationstestung mit Nickel durch einen Arzt erfolgen. Da sowohl die Schwellenwerte als auch die auslösenden Lebensmittel von Patient zu Patient verschieden sind, kann nur gemeinsam mit einer Ernährungsfachkraft ermittelt werden, welche Speisen gegessen werden können und welche weggelassen werden müssen.

Die Möglichkeiten einer Immuntherapie bei Nickelallergie werden derzeit im Rahmen von Studien erforscht.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. T. Zuberbier
Letzte Änderung: Juli 2016

Quellen

Bergmann, K.C. et al. 2016. Aktueller Stand zur Verbreitung von Allergien in Deutschland. Positionspapier der Kommission Umweltmedizin am Robert Koch-Institut. Allergo J Int 25(6), 222-226.
Schnuch A. et al. 2012. Klinische Epidemiologie und Prävention der Kontaktallergien. Der Beitrag des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK). Bundesgesundheitsbl 55, 329–337.
Uter, W. et al. 2016. ESSCA results with nickel, cobalt and chromium, 2009-2012. Contact Dermatitis 75, 111-128.
Worm, M. et al. 2015. Kontaktallergien im Kindesalter. Der Hautarzt 66, 646-651.