Allergischer Schnupfen

Der medizinische Fachbegriff für Heuschnupfen ist allergische Rhinitis. Atemwegsallergien haben - wie Allergien insgesamt - in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen. Der Grund für die rasante Zunahme wird von Experten immer noch erforscht. Zumindest zwei Faktoren, die dazu beitragen, scheinen inzwischen aber festzustehen: Der Klimawandel und die bessere Hygiene, die zur Bewältigung von Infektionskrankheiten notwendig ist.

Definition

Der allergische Schnupfen ist eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen Pollen von Bäumen, Gräser und Kräuter, sowie Tierhaare, Milben oder Schimmelpilze. Der alte Begriff „Heuschnupfen“ rührt daher, dass die Erkrankung im 19ten Jahrhundert zuerst bei Gras- und Heukontakt beobachtet wurde. Die häufigsten körperlichen Beschwerden bei Allergikern sind der allergische Schnupfen (Fachbegriff:„allergischer Rhinitis“) bzw. die Bindehautentzünung (Fachbegriff: Konjunktivitis). Typische Beschwerden hierbei sind Niesreiz, Tränen, Juckreiz und Rötung der Augen, Anschwellen der Nasenschleimhäute und Fließschnupfen.

Formen der nicht-allergischen Rhinitis können auch mit ähnlichen Beschwerden einhergehen und müssen deshalb bei der Diagnose zunächst ausgeschlossen werden.

Ursachen und Auslöser

Auf der Suche nach möglichen Auslösern sind Beobachtungen, wann und wobei der allergische Schnupfen auftritt, sehr wichtig. Für die Entstehung einer Allergie ist ein Erstkontakt mit dem Allergen nötig (Sensibilisierungsphase). Dabei bilden sich im Blut Antikörper (IgE), die an speziellen Zellen (Mastzellen) andocken. Treffen Allergene (zum Beispiel Pollen) erneut auf die IgE-Antikörper, kommt es zur Ausschüttung verschiedener Botenstoffe aus den Mastzellen. Hauptsächlich wird dabei Histamin freigesetzt, das unter anderem für die Beschwerden der Erkrankung verantwortlich ist.

Neben den Reaktionen der Augen und Nase ist bei vielen Patienten eine Mitbeteiligung der Bronchialschleimhaut vorhanden. Dies äußert sich in Husten und anfallsweise Atemnot (allergisches Asthma).
Die meisten aller Atemwegsallergien werden durch folgende Allergene ausgelöst:

  • Pollen (Baum-, Gräser- und Kräuterpollen)
  • Hausstaubmilben
  • Tierepithelien
  • Schimmelpilze

Die allergische Rhinitis wird in Abhängigkeit vom auslösenden Allergen in wiederkehrende (z. B. saisonale Beschwerden) und dauerhafte (z.B. ganzjährige Beschwerden) Rhinitis unterteilt.

Auslöser der wiederkehrenden Rhinitis sind in erster Linie Blütenpollen (Pollinosis). Frühblüher wie Erle, Hasel und Birke lösen von Februar bis April Symptome aus, Gräser- und Roggenpollen von Ende Mai bis Mitte Juli und Kräuterpollen wie Beifuß und Spitzwegerich von Ende Juli bis August. Häufige

Auslöser des dauerhaften allergischen Schupfens sind Tierepithelien, Hausstaubmilben und Schimmelpilzsporen. Bei den Tierhaar-Allergien sind Katzen-, Meerschweinchen- und Hamsterhaare häufige Auslöser, Hundehaar-Allergien sind dagegen seltener. Das entsprechende Tier muss sich dabei nicht in der direkten Umgebung befinden, auch Allergenreste in Wohnungen (v. a. in Polstern, Matratzen und Kissen), Autos oder an der Kleidung sind in der Lage, allergische Reaktionen auszulösen.

Die Hausstaub-Allergie wird durch Hausstaubmilben verursacht, die zur Gattung der Spinnentiere gehören. Allerdings lösen nicht die Milben selbst, sondern ihre Ausscheidungen die allergische Reaktion aus. Die Milben ernähren sich von Hautschuppen und Komponenten des Hausstaubs und bevorzugen ein feuchtwarmes Klima (ca. 20-30 ºC und 75-80 % Luftfeuchtigkeit), wie es vor allem in Matratzen herrscht. Bis zu 15.000 Milben können sich in einem Gramm Staub befinden. Schimmelpilze bevorzugen ebenfalls ein feuchtwarmes Klima und finden sich z. B. hinter Schränken, Decken- oder Wandverkleidungen, an feuchten Stellen schlecht durchlüfteter Räume wie Badezimmer, Küche und Keller, in Blumentöpfen, auf faulenden Pflanzen- oder Essensresten sowie in Luftbefeuchtern und Klimaanlagen. Beschwerden infolge einer Hausstaub-Allergie treten meist am Morgen besonders stark auf, während Schimmelpilz-Allergien oft zu Beginn der feuchtkalten Jahreszeit eine Symptomverschlechterung zeigen.

Verlauf

Die ersten Anzeichen von allergischem Schnupfen entwickeln sich meist bereits in der Kindheit oder im Jugendalter, es ist aber auch möglich, dass sie erst im höherem Erwachsenenalter auftreten. Einmal vorhanden, bleibt die Allergie bestehen und kann unbehandelt in allergisches Asthma übergehen. Deshalb sollten sich Patienten mit allergischen Schnupfen möglichst früh einer Immuntherapie unterziehen. Insbesondere für die Pollenallergie stehen effektive Möglichkeiten zur Verfügung, um die Erkrankung zu behandeln.

Diagnose

Für die Diagnose der allergischen Rhinitis ist oftmals die Beobachtung des „Wann & Wobei“ der Symptome bzw. die Anamnese ausreichend, da das Krankheitsbild aufgrund des zeitlich abhängigen Auftretens der Symptome sehr charakteristisch ist.

Schwieriger ist allerdings die genaue Bestimmung der allergieauslösenden Stoffe. Hierbei kann das Führen eines Allergietagebuchs helfen. Dort werden die Art, die Schwere, die Tageszeit und die Dauer der Beschwerden eingetragen, die Einnahme von Medikamenten und von Nahrung dokumentiert, es werden Aktivitäten und Umwelteinflüsse wie Luftschadstoffe, festgehalten. Diese genaue Dokumentation kann möglicherweise für die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt ausreichend sein, um das Allergen zu identifizieren.

Folgende Möglichkeiten bieten sich, um die Diagnose weiter abzusichern:

  • Hauttest/Pricktest
  • IgE-Bluttest
  • Provokationstest

Mehr zu den Allergietests erfahren Sie hier.

Therapie

Therapiemöglichkeiten zur Linderung des Heuschnupfens bestehen zum Einen aus begleitender medikamentöser Behandlung, zum Beispiel durch:

  • Antihistaminika (Spray, Tabletten, Tropfen)
  • Antiallergische Augentropfen
  • Cortison (Spray)
  • Leukotrienantagonisten
  • Abschwellende Nasentropfen (diese sollten allerdings maximal zehn Tage lang angewendet werden, da die Gefahr einer Abhängigkeit besteht)

Zum Anderen kann eine spezifische Immuntherapie langfristig einen Heilungserfolg mit sich bringen. Über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren wird dem Körper in schleichend steigenden Dosen das Allergen, auf das reagiert wird, zugeführt, so dass eine Gewöhnung stattfindet und die allergischen Reaktionen abnehmen. Viele Patienten sind danach beschwerdefrei oder erleben deutlich weniger belastende Symptome.

Dr. med. H. Lee, Dr. med. S. Khouw
Prof. Dr. med. M. Worm
Prof. Dr. med. Dr. h. c. T. Zuberbier
Letzte Änderung: Juli 2016