Asthma

Definition

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege, die mit Atemwegsverengungen einhergeht. Durch die dauerhafte Schleimhautentzündung in den Bronchien reagiert die Atmung bei asthmatischen Kindern und Erwachsenen sehr empfindlich auf äußere Einflüsse. In der Folge erleben Betroffene wiederkehrende, anfallartige Atembeschwerden, die durch eine krampfartige Verengung der Atemwege verursacht werden. 

Manche Reize wie Hausstaub, Pollen oder Tierhaare, die bei gesunden Menschen keinen negativen Effekt auf die Atmung haben, lösen bei Asthmatikern eine starke Reaktion aus: Die Bronchien verkrampfen sich, die Schleimhaut schwillt an und die Atemwege verengen sich. Folgende Symptome sind typisch für einen Asthmaanfall:

  • Atemnot 
  • trockener Husten
  • glasig-zäher Auswurf

Neben den eigentlichen, körperlichen Symptomen wird Asthma bei einigen Patienten von Angststörungen und Depressionen begleitet, die sich negativ auf das Krankheitsbild auswirken. 

Verbreitung

Asthma zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kinder- und Jugendalter. Laut einer Patientenbefragung des Robert Koch Instituts aus dem Jahr 2014 liegt bei 4,7% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland zwischen 0 und 17 Jahren die ärztliche Diagnose „Asthma“ vor (Selbstangabe). Jungen sind im Kinder- und Jugendalter von Asthma durchschnittlich häufiger betroffen als Mädchen. Asthma ist eine chronische, häufig lebenslange Krankheit. Aber nicht alle Kinder mit Asthma haben auch als Erwachsene Atembeschwerden. Es ist nicht bekannt, welche Methoden, Therapien oder Umstände dazu führen, dass manche Kinder nach der Pubertät nahezu beschwerdefrei sind. Eine bestimmte Disposition der Atemwege, auf Reize empfindlich zu reagieren, bleibt meist auch bei ihnen noch bestehen. Sicher ist, dass Asthma sich nicht automatisch mit zunehmendem Alter verschlimmert, insbesondere dann nicht, wenn es gut behandelt wird. Bei den Erwachsenen geben 8,7% an, die Diagnose „Asthma“ erhalten zu haben. 

Ursachen und Auslöser

Ein asthmatischer Anfall wird durch bestimmte Reize ausgelöst. Dazu zählen: kalte Luft, starke Gerüche, Lachen, Zigarettenrauch, Staub, Virusinfektionen oder körperliche Belastung. Auch Allergene wie Pollen, Pilzsporen, Insektengifte oder Tierhaare können einen Anfall hervorrufen. In diesem Fall spricht man von allergischem Asthma.

Diagnose

Zunächst wird der Arzt ein ausführliches Gespräch über Symptome, Krankheitsgeschichte, Lebensumstände und familiäre Vorbelastung führen (Fachbegriff: Anamnese). Ein weiterer Schritt ist das Abhorchen mit dem Stethoskop. Die Geräusche beim Ein- und Ausatmen können wichtige Hinweise liefern. Darüber hinaus wird die Untersuchung bei Atemwegs- und Lungenbeschwerden immer durch einen Lungenfunktionstest ergänzt (Fachbegriff: Spirometrie), um die Atemwegseinengungen besser einschätzen zu können. Hierzu atmet der Patient in ein Mundstück. Bei der Spirometrie wird gemessen, wie viel Luft in welcher Geschwindigkeit ein- und ausfließt. Das Ergebnis wird graphisch festgehalten. Durch den frühen Einsatz der Lungenfunktionsprüfung können vorbeugende Maßnahmen getroffen und die Behandlung besser festgelegt werden.

Therapie

Steht die Diagnose fest, muss mit der Behandlung so schnell wie möglich begonnen werden. Sie wird individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten ausgerichtet. Das Ziel der Asthmabehandlung ist es, die Atemprobleme so weit zu verringern, dass der Betroffene sich nicht behindert und in seiner Lebensqualität eingeschränkt fühlt. Dieses Ziel lässt sich mit den heute verfügbaren Medikamenten meist sehr gut erreichen. Für den Therapieerfolg entscheidend ist, dass die Medikamente dauerhaft eingenommen werden.

In der Behandlung von Asthma kommen zwei Hauptgruppen von Medikamenten zum Einsatz: die vorbeugenden, um den Asthmaanfall gar nicht erst entstehen zu lassen, und die Medikamente zur Anfallsbehandlung.

Die Aufgabe der vorbeugenden Medikamente ist es, die Entzündung der Schleimhaut in den Bronchien zu lindern. Es handelt sich um entzündungshemmende und antiallergische Medikamente. Sie müssen langfristig und regelmäßig eingenommen werden, um ihre Wirkung zu entfalten.

Für die Anfallsbehandlung werden Medikamente eingesetzt, die eine schnelle Erweiterung der verengten Bronchien für nur einige (3-4) Stunden oder aber auch langwirkend für ca. 12 Stunden bewirken. Im Gegensatz zu den vorbeugenden Medikamenten werden die kurzzeitig wirkenden Erweiterer nur bei Bedarf angewendet, die Erweiterer mit Langzeitwirkung auch regelmäßig.

Sowohl die vorbeugenden als auch die Medikamente zur Anfallsbehandlung werden normalerweise inhaliert. So können sie ihren Wirkungsort am direktesten erreichen. Die wirksame Dosis ist daher viel kleiner und die Nebenwirkungen sind seltener und milder. Zum Inhalieren werden verschiedene Geräte eingesetzt. Am häufigsten werden Dosieraerosole und Pulverinhalatoren verwendet.

Verhalten im Notfall

Einem Menschen mit akuter Atemnot beizustehen, löst bei vielen Umstehenden Ängste und Verunsicherung aus. Diese einfachen, strukturierten Maßnahmen helfen Ihnen dabei, Menschen bei einem Asthmaanfall zu stabilisieren.

Stufe 1

Auch wenn es schwer fällt: Bei einem akuten, asthmatischen Anfall ist es wichtig, dass Sie die Ruhe bewahren und den Betroffenen beruhigen. Sorgen Sie dafür, dass zwei Sprühstöße des Notfallmedikaments inhaliert werden. Unterstützen Sie den Betroffenen dabei eine atemerleichternde Haltung einzunehmen. Der Kutschersitz und die Torwartstellung haben sich als hilfreich erwiesen.

Für den Kutschersitz zunächst aufrecht auf einen Stuhl setzen. Dann den Rücken entspannen und dabei leicht runden. Die Unterarme auf die Oberschenkel legen und die Hände locker herunter hängen lassen. Der Brustkorb wird dabei vom Gewicht der Schultern entlastet. Für die Torwartstellung fest auf beide Beine stellen. Die Hände etwa eine Handbreite oberhalb der Knie auf die Oberschenkel legen. Atmen Sie mit der Lippenbremse ein und aus. Für die Lippenbremse die Lippen aufeinander pressen und durch die Nase einatmen. Dann durch den nur ganz leicht geöffneten Mund mit „pff“ oder „sss“- Lauten wieder ausatmen. Auf diese Weise wird die Atmung verlangsamt und die Bronchien weiten sich durch den erzeugten Innendruck.

Stufe 2

Sollten diese Maßnahmen nach 10 Minuten keine Besserung erreichen, erneut 2 – 3 Sprühstöße des Notfallsprays verabreichen und – sofern im Notfallplan der / des Betroffenen vorgesehen – eine Kortisontablette geben. Die atemerleichternde Haltung und die Lippenbremse sollten beibehalten werden.

Stufe 3

Wenn nach weiteren 10 Minuten keine Linderung eintritt, verständigen Sie bitte den Notarzt (112). Erwähnen Sie unbedingt, dass es sich um einen Asthmaanfall mit akuter Luftnot handelt und achten Sie darauf, dass der / die Betroffene im Sitzen transportiert wird. In Absprache mit dem betreuenden Arzt können bis zum Eintreffen des Arztes weitere Sprühstöße des Notfallsprays gegeben werden.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. T. Zuberbier
Letzte Änderung: Juli 2016