Asthma

Wenn wir einatmen gelangt die Luft zunächst in Mundraum oder Nase. Von dort geht es weiter in die Luftröhre. Die Luftröhre zweigt sich am Ende in zwei große Äste auf (Fachbegriff: Bronchien), die in den rechten und linken Lungenflügel münden. So gelangt die Luft bis in die Lungenbläschen (Fachbegriff: Alveolen), die für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zuständig sind.

Definition

Hinter dem Begriff Asthma verbirgt sich eine Krankheit, bei der die Atemwege chronisch entzündet sind. Asthma wird in verschiedene Formen eingeteilt und zeigt kein einheitliches Krankheitsbild. So gibt es beispielsweise allergisches Asthma, nicht-allergisches Asthma, spät einsetzendes Asthma und Asthma im Zusammenhang mit Übergewicht. Die typischen Beschwerden wie pfeifende Atemgeräusche, Atemnot, ein Engegefühl in der Brust und Husten treten nicht unbedingt zu jeder Zeit und bei jeder Person gleich stark auf. Außerdem ist bei Menschen mit Asthma normalerweise die Menge der ausgeatmeten Luft (Fachbegriff: Ausatemvolumen) geringer als bei Gesunden, doch auch dieses Zeichen kann im zeitlichen Verlauf stark schwanken.

Verbreitung

Asthma ist eine häufige chronische Erkrankung, die überall auf der Welt vorkommt. Das globale Asthmanetzwerk (Global Asthma Network; GAN) gibt die Anzahl der Betroffenen in einem Bericht von 2014 mit weltweit 334 Millionen an. Dabei gibt es bestimmte Regionen, in denen die Krankheit häufiger auftritt als anderswo. Kinder sind insgesamt häufiger betroffen als Erwachsene. Meist beginnt die Erkrankung auch im Kindesalter, sie kann jedoch grundsätzlich in jedem Alter erstmals auftreten. In Deutschland gibt laut der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“ (Quelle: Robert-Koch-Institut) etwa jeder zehnte befragte Erwachsene an, schon einmal die ärztliche Diagnose Asthma erhalten zu haben. Oft bleibt die Krankheit lebenslang bestehen, sie kann aber auch von selbst abklingen. Nicht alle Kinder und Jugendlichen mit Asthma haben auch als Erwachsene Beschwerden.

Ursachen und Auslöser

Asthma entsteht vermutlich durch eine Wechselwirkung zwischen erblichen Faktoren und Umwelteinflüssen. Experten gehen davon aus, dass diese Wechselwirkungen bereits im frühen Kindesalter – möglicherweise sogar im Mutterleib – wichtig sind. Welche Faktoren das Risiko für Asthma tatsächlich erhöhen, konnte bisher nicht genau nachgewiesen werden. Umwelteinflüsse wie Tabakrauch, die Ernährung, allergieauslösende Stoffe (Fachbegriff: Allergene), aber auch bestimmte Medikamente wie Paracetamol oder Antibiotika stehen im Verdacht, die die Erkrankung zu begünstigen.

Die Symptome können zwar im zeitlichen Verlauf stark schwanken; bei vielen Betroffenen verschlechtern sie sich aber durch bestimmte Auslöser bis hin zum akuten Asthmaanfall. Bei allergischem Asthma kann dies beispielsweise durch Hausstaubmilben oder Allergene wie Pollen, Schimmelpilzsporen oder Tierhaare geschehen. Ein Asthmaanfall kann aber auch durch körperliche Anstrengung, Wetterwechsel, Autoabgase, Rauch, starke Gerüche und selbst durch Gefühlsäußerungen wie Lachen oder Weinen hervorgerufen werden.

An der Entzündung der Atemwege beteiligen sich viele verschiedene Entzündungszellen. Aber auch die normalen Zellen und Muskeln der Atemwege haben einen Anteil an der Erkrankung. Durch das Zusammenspiel dieser verschiedenen Faktoren verengen sich schließlich die Luftwege und reagieren überempfindlich auf äußere Reize.

Beschwerden

Zu den typischen Symptomen von Asthma zählen:

  • pfeifende Atemgeräusche
  • Atemnot
  • Husten (oft mit Schleimbildung)
  • Engegefühl im Brustkorb

Die meisten Menschen mit Asthma leiden unter mehr als einem der Symptome. Häufig sind die Beschwerden nachts oder frühmorgens besonders ausgeprägt und verschlechtern sich außerdem bei Virusinfektionen. Bei Kindern steht die pfeifende Atmung besonders stark im Vordergrund. Diese kann jedoch auch bei einer Virusinfektion auftreten und ist somit kein Beweis für Asthma.

Bei einem akuten Asthmaanfall können die Beschwerden im Extremfall so stark werden, dass der Betroffene eine medizinische Notfallversorgung benötigt. Glücklicherweise tritt dieser Fall aber dank wirksamer Notfallmedikamente selten ein.

Diagnose

Um die Diagnose zu stellen, fragt der Arzt zunächst im Gespräch nach den Symptomen, der Krankheitsgeschichte, den Lebensumständen und einer möglichen familiären Vorbelastung (Fachbegriff: Anamnese). Die körperliche Untersuchung ist häufig unauffällig; manche Patienten zeigen selbst beim Abhorchen mit dem Stethoskop keine auffälligen Atemgeräusche. Ein Lungenfunktionstest (Fachbegriff: Spirometrie) liefert wichtige Hinweise auf ein vermindertes Ausatemvolumen. Wenn die Ergebnisse nicht eindeutig sind, kann der Test zu einem anderen Zeitpunkt wiederholt werden. Bei einem bestehenden Allergieverdacht ist es notwendig, weitere Untersuchungen wie Allergie- oder Provokationstests durchzuführen.

Therapie

Steht die Diagnose fest, sollte der Patient möglichst schnell mit einer Behandlung beginnen, die sich nach seinen individuellen Bedürfnissen richtet. Das Ziel der Asthmabehandlung ist es, die Beschwerden so weit zu verringern, dass der Betroffene seine normalen Aktivitäten weiterführen kann. Außerdem sollen zukünftige Asthmaanfälle und Langzeitfolgen wie ein dauerhaft vermindertes Ausatemvolumen vermieden werden.

Medikamente zur Asthmabehandlung werden in zwei Hauptgruppen eingeteilt: vorbeugende Medikamente und Medikamente zur Behandlung eines akuten Asthmaanfalls. In beiden Fällen handelt es sich normalerweise um Arzneimittel, die inhaliert werden. Da die Arzneimittel auf diese Weise lokal – also am Ort des Geschehens wirken – sind Nebenwirkungen seltener und milder als beispielsweise bei Tabletten.

Die Aufgabe der vorbeugenden Medikamente ist es, die Entzündung der Schleimhaut in den Bronchien zu lindern. Es handelt sich dabei um entzündungshemmende Medikamente – vorwiegend um so genannte Kortikosteroide. Sie müssen langfristig und regelmäßig eingenommen werden, um ihre Wirkung zu entfalten.

Ein akuter Anfall wird mit Medikamenten behandelt, welche die verengten Bronchien schnell erweitern (so genannte Erweiterer). Manche dieser Wirkstoffe wirken nur kurzzeitig für wenige Stunden, andere bis zu 10 oder 12 Stunden. Deshalb werden die kurzzeitig wirkenden Erweiterer nur bei Bedarf angewendet, während Erweiterer mit Langzeitwirkung auch regelmäßig angewendet werden können. Welche Medikamente sich im Einzelfall eignen, hängt unter anderem davon ab, welche Art von Asthma besteht und wie schwer die Erkrankung ist.

Neben den medikamentösen Therapien gibt es weitere Möglichkeiten, wie der Facharzt Sie bei der Asthmatherapie unterstützen kann. Techniken der physiotherapeutischen Atemtherapie können beispielsweise sinnvoll sein, um Atemnot, Hustenreiz und Angst zu reduzieren. Eine Teilnahme am Lungensport kann helfen, die körperliche Belastbarkeit zu verbessern.

Verhalten im Notfall

Einem Menschen mit einem akuten Asthmaanfall beizustehen, kann Ängste und Verunsicherung auslösen. Diese einfachen, strukturierten Maßnahmen helfen Ihnen in der Situation:

Stufe 1

Auch wenn es schwer fällt: Bei einem akuten Asthmaanfall ist es wichtig, dass Sie Ruhe bewahren und die betroffene Person beruhigen. Sorgen Sie dafür, dass zwei Sprühstöße des Notfallmedikaments inhaliert werden. Unterstützen Sie die betroffene Person dabei, eine atemerleichternde Haltung einzunehmen. Der Kutschersitz und die Torwartstellung haben sich als hilfreich erwiesen.

Kutschersitz: Zunächst aufrecht auf einen Stuhl setzen. Dann den Rücken entspannen und dabei leicht runden. Die Unterarme auf die Oberschenkel legen und die Hände locker herunter hängen lassen. Der Brustkorb wird dabei vom Gewicht der Schultern entlastet.

Torwartstellung: Fest auf beide Beine stellen. Die Hände etwa eine Handbreite oberhalb der Knie auf die Oberschenkel legen. Mit der Lippenbremse ein- und ausatmen: Dafür die Lippen aufeinander pressen und durch die Nase einatmen. Dann durch den nur ganz leicht geöffneten Mund mit „pff“- oder „sss“-Lauten ausatmen. Dadurch verlangsamt sich die Atmung und die Bronchien können sich weiten.

Stufe 2

Wenn diese Maßnahmen nach 10 Minuten keine Besserung erreichen, erneut 2–3 Sprühstöße des Notfallsprays verabreichen und – sofern im Notfallplan der betroffenen Person vorgesehen – eine Kortisontablette geben. Die atemerleichternde Haltung und die Lippenbremse dabei beibehalten.

Stufe 3

Tritt nach weiteren 10 Minuten keine Linderung ein, verständigen Sie bitte den Notarzt (112). Erwähnen Sie unbedingt, dass es sich um einen Asthmaanfall mit akuter Luftnot handelt und achten Sie darauf, dass die betroffene Person im Sitzen transportiert wird. In Absprache mit dem betreuenden Arzt können bis zum Eintreffen des Arztes weitere Sprühstöße des Notfallsprays gegeben werden.

Leben mit Asthma

Worauf Sie beispielsweise beim Sport mit Asthma achten sollten, erfahren Sie in unseren Alltagstipps. Weitere nützliche Informationen zum Umgang mit der Erkrankung finden Sie außerdem auf der Webseite der Deutschen Atemwegsliga e.V. unter der Rubrik Asthma. Diese ausführliche Anleitung zeigt Ihnen zum Beispiel, wie Sie richtig inhalieren können.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. T. Zuberbier
Letzte Änderung: April 2017