Urtikaria

Fast jeder vierte Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens einmal eine akute Urtikaria (Nesselsucht). Es kommt dann zur Ausbildung stark juckender Quaddeln, ähnlich wie bei der Berührung von Brennnesseln, und manchmal auch zu Schwellungen der Haut (Angioödeme), z.B. der Augenlider oder der Lippen.

Definition

Die Akute Urtikaria

Häufig lässt sich genau bestimmen, was eine akute Urtikaria ausgelöst hat, z.B. die Einnahme von Medikamenten (auch solche, die zuvor gut vertragen wurden), ein akuter Infekt sowie der Genuss von Alkohol oder stark gewürzten/aromatisierten/farbstoffhaltigen Speisen. Waschmittel oder Körperpflegeprodukte sind dagegen fast nie Auslöser einer akuten Urtikaria.

In der Regel dauert es meist nur wenige Tage, bis die Beschwerden von alleine wieder abklingen, weshalb diese Form der Nesselsucht nur symptomatisch behandelt wird. Es ist daher auch nicht notwendig oder sinnvoll, eine intensive Ursachensuche durchzuführen. Entscheidend ist, mögliche Komplikationen (Schluckbeschwerden) zu erkennen und zu behandeln und mögliche Auslöser, soweit diese bekannt sind, in Zukunft zu meiden.

Bei einem kleinen Teil der Patientinnen und Patienten entwickelt sich aus einer akuten Urtikaria eine chronische Urtikaria, d.h., die Beschwerden halten länger als sechs Wochen an. Immer wieder spontan auftretende Quaddelschübe und der damit einhergehende Juckreiz können zu einem erheblichen Verlust der Lebensqualität führen.

Die Chronische Urtikaria

Typisch für die Chronische Urtikaria ist das stark und oft schnell wechselnde Beschwerdebild.

Es kommt häufig vor, dass trotz täglich auftretender Quaddeln ausgerechnet beim Arztbesuch plötzlich nichts mehr zu sehen ist und man als Patient in Erklärungsnot kommt. Das macht nichts: Allein anhand einer genauen Beschreibung kann die Diagnose zuverlässig gestellt werden.

Insbesondere dann, wenn die Quaddelschübe täglich auftreten oder zusätzlich Angioödeme die Lage weiter verschlimmern, ist eine Suche nach zugrundeliegenden Ursachen und Auslösern angezeigt.

Ursachen und Auslöser

Der Juckreiz und die Quaddelbildung der Haut beruhen auf einer erhöhten Freisetzung von Histamin aus Mastzellen („Allergiezellen“) der Haut.

Warum die Mastzellen Histamin freisetzen, kann unterschiedlichste Gründe haben. Weit verbreitet ist der Glaube, die Urtikaria sei eine allergische Erkrankung. Tatsächlich beruhen aber nur weniger als 10% aller Urtikariafälle auf einer Allergie.

Die Ursachen sind zahlreich, die häufigsten von ihnen lassen sich in die drei folgenden Gruppen einteilen:

  • Überempfindlichkeit gegen Nahrungsmittelzusätze (Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe) oder Medikamente
  • Chronische Infekte
  • Unverträglichkeit von körpereigenen Stoffen (Autoreaktion)

Verlauf

Verläuft die Urtikaria chronisch, können sich die Beschwerden über mehrere Monate bzw. sogar Jahre hinziehen. Beim akuten Verlauf klingen die Symptome nach spätestens 6 Wochen ab.

Die Prognose der chronischen Urtikaria ist gut. In einer Vielzahl der Fälle können die verantwortlichen Ursachen behandelt und/oder wichtige Auslöser vermieden werden.

Falls dies nicht möglich ist, können die Beschwerden durch Medikamente wirksam unterdrückt werden.

Auch ohne Behandlung der Ursache heilt eine chronische Urtikaria irgendwann einmal ab, auch von alleine. Leider geschieht dies häufig erst nach Jahren, manchmal sogar erst nach Jahrzehnten.

Diagnose

Ziel der Diagnostik ist, die Ursache(n) zu finden und zu beseitigen. Um Nahrungsmittel als Auslöser zu ermitteln, wird in einer vierwöchigen Vorlaufphase zu Hause eine spezielle Diät durchgeführt und der Verlauf der Beschwerden genau protokolliert. Die übrigen Auslöser können mittels Laboruntersuchungen (Blut, Stuhl, Urin) und apparativen Untersuchungen (Röntgen, Ultraschall) gesucht werden. Ebenso wird die psychische Belastung beurteilt, die als Auslöser oder als Folge der chronischen Urtikaria bei vielen Patienten eine Rolle spielt.

Den Urtikaria-Kalender können Sie bei unserem Partner www.urtikaria.net herunterladen.

Ein ausgefülltes Urtikaria-Tagebuch kann Ihnen und Ihrem Arzt zusätzlich helfen, die Schwere und den Verlauf der Erkrankung einzuschätzen, sowie deren Auslöser.

Auf der urtikaria.net-Seite finden Sie eine Vorlage für ein Urtikaria-Tagebuch zum Herunterladen:
Download Urtikaria-Tagebuch

Um die Ursachen und Auslöser Ihrer Erkrankung zu finden, ist es notwendig, dass Ihre Ärztin/Ihr Arzt so viele Informationen wie möglich über den Verlauf Ihrer Nesselsucht erhält. Auf einem Anamnese-Fragebogen können Sie vorab und in Ruhe alle relevanten Fragen beantworten.

Den Anamnese-Fragebogen finden Sie bei urtikaria.net zum Herunterladen: Download Urtikaria-Anamese-Fragebogen

Therapie

Nach erfolgreicher Ursachensuche wird eine entsprechende Therapie eingeleitet. Wurde beispielsweise ein Infektherd als mögliche Ursache gefunden, wird dieser mit Antibiotika beseitigt und so die Urtikaria geheilt.

Andere Ursachen erfordern natürlich andere Therapien.

Selten ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, dann kommt eine symptomatische Therapie zur Anwendung. Auch hierfür werden nebenwirkungsarme und gut verträgliche Antihistaminika eingesetzt. Die Auswahl der geeigneten Behandlung erfolgt also individuell und richtet sich nach den jeweiligen Beschwerden und Bedürfnissen.

Die Auswahl der geeigneten Behandlung erfolgt individuell und richtet sich nach den jeweiligen Beschwerden und Bedürfnissen.

Eine rein symptomatische Therapie ist auch sinnvoll bei Patientinnen und Patienten, die nur selten oder leichte Urtikariabeschwerden haben, und denen eine aufwendige Ursachensuche nicht empfohlen werden kann.

Tipps bei akuter Urtikaria

  • Vermuteten Auslöser meiden
  • Kurzzeitige Behandlung mit Antiallergika, bis die Beschwerden wieder verschwunden sind
  • Ausführliche Diagnostik und Allergietests sind nicht notwendig
  • Bei Komplikationen wie Luftnot oder Schluckbeschwerden Arzt aufsuchen
  • Wenn die Beschwerden länger als 6 Wochen anhalten, Arzt aufsuchen

Tipps bei chronischer Urtikaria

  • Ein Beschwerdetagebuch offenbart oft Auslöser, die sonst verborgen blieben. Notieren Sie jeden Tag den Schweregrad Ihrer Erkrankung, alle eingenommenen Medikamente und alle Nahrungsmittel und Getränke.
  • Vermeiden Sie die Einnahme von „nichtsteroidalen Antiphlogistika“ zur Behandlung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen. Hierzu gehören z.B. Acetylsalicylsäure (in Aspirin, Thomapyrin, Spalt etc.), Diclofenac und Ibuprofen.
  • Patienten mit chronischer Urtikaria berichten häufig über eine Verschlechterung ihrer Beschwerden nach Kaffee- oder Alkoholgenuss. Auch scharfe Gewürze werden oft schlecht vertragen.

Impressum

Prof. Dr. med. M. Magerl, Dr. med. F. Siebenhaar, Prof. Dr. med. M. Maurer (V.i.S.d.P.)
Letzte Änderung: Juli 2013