Wir waren bisher nie im Ausland

Die Beitragsreihe über den Familienalltag mit einem stark erdnussallergischen Kind hat viele ECARF-Follower erreicht. So auch Annette Steffen (43). Annettes Sohn Justus (10) hat ebenfalls eine schwere Erdnussallergie, zusätzlich zu seiner Allergie gegen Nüsse und andere Hülsenfrüchte. In den Interviews hat Annette viele Gemeinsamkeiten entdeckt, einige unterschiedliche Erfahrungen möchte sie aber ergänzen. ECARF hat nachgefragt.

Kaum Einladungen

Bis ins Grundschulalter litt Justus an schweren Allergien, unter anderem gegen Milch-, Ei-, Soja- und Weizenprodukte, schon seit der Geburt. Obwohl er mit anderen Kindern gut zurechtkam, führten seine Allergien dazu, dass er kaum eingeladen wurde. „Das war schon auffällig“, erinnert sich Annette. „Stattdessen waren Justus‘ Freunde zum Spielen dann mehr bei uns. Damit gab es nie Probleme. Für ihn war es natürlich schade die Feiern zu verpassen“, sagt sie bedauernd. „Die Vorsicht der anderen Eltern fand ich übertrieben. Wegen der vielen Allergien haben wir Justus sowieso immer sein eigenes Essen mitgegeben.“

Lebensmittelprovokationen

Die Steffens haben mit klinischen Lebensmittelprovokationen gute Erfahrungen gemacht. „Unser Sohn hat jahrelang anaphylaktisch auf Milch reagiert, teilweise schon bei wenigen Millilitern“, erklärt Annette. „Wenn uns damals jemand gesagt hätte, dass er irgendwann einmal ein normales Eis essen könnte, hätte ich ihm nicht geglaubt. Nur mit Hilfe der durchgeführten Provokationen haben wir feststellen können, dass Justus einige seiner Allergien verloren hat.“

Vom Schulessen abgemeldet

Der Caterer an Justus‘ Schule bietet für Allergiker ein Essen an, in dem auf die häufigsten Allergene verzichtet wird. Allerdings hat Justus im Laufe der Zeit eine Essstörung entwickelt. „Wir denken, dass es Angst vor allergischen Reaktionen sein könnte, weshalb er viele Speisen ablehnt“, erläutert Annette. „Daher war das angebotene Mittagessen für uns nicht geeignet.“ Sie hat Justus daraufhin vom Schulessen abgemeldet und kocht für ihn die Mahlzeiten der ganzen Woche vor. „Das ist natürlich zeitaufwändig. Bei Klassenfahrten kommen dann noch andere Dinge hinzu, an die man denken muss.“

Noch nie im Ausland

Schwierig bleibt für die Familie auch das Thema Urlaub. „Wir waren bisher nie im Ausland. Es ist im Deutschen schon nicht einfach, alle Wörter auf der Zutatenliste wirklich zu verstehen und zu erkennen, was genau sich dahinter verbirgt. Wir haben es uns absolut nicht zugetraut, für jedes Allergen die Bezeichnung in der Landessprache zu kennen. Justus hat zudem auf besonders häufig verwendete Allergene reagiert. Das wäre sehr kompliziert geworden“, sagt sie.

Erfahrungen online austauschen

Geholfen hat Annette der Austausch mit anderen Eltern allergischer Kinder. „Mit jemandem zu reden, der versteht warum man unsicher ist oder was das Kind durchmacht, ist eine wahnsinnig gute Stütze“, sagt Annette dankbar. Bis heute tauscht sie sich regelmäßig aus, vor allem in Online-Foren wie der Facebook-Gruppe des NAN e. V. (Nuss/Anaphylaxie Netzwerk).