22. Februar 2019
Der Mini-Farm-Effekt: Haustiere schützen Kinder vor Allergien

Kinder, die im ersten Lebensjahr mit Hunden und Katzen aufwachsen, haben später deutlich weniger Allergien als Kinder ohne Haustiere in ihrer Umgebung. Je mehr Haustiere, desto unwahrscheinlicher die Allergie.

Vor Jahren dachte man noch, dass Kinder Allergien bekommen, wenn sie mit Haustieren aufwachsen. Dass das Gegenteil stimmt, haben inzwischen viele Studien gezeigt: Mit Haustieren aufzuwachsen verringert das Risiko, später eine Allergie zu entwickeln.

Bill Hesselmar und sein Team von der Universität Göteborg in Schweden haben jetzt sogar gezeigt, dass das Allergierisiko immer weniger wird, je mehr Tiere mit den Kindern im Haushalt sind.

Wie ist das Team vorgegangen?

Die WissenschaftlerInnen haben zwei Gruppen betrachtet:

  1. werteten sie 1.029 Fragebögen zu Allergien von 7- und 8-Jährigen aus. Ein Teil der Kinder kam aus dem Umland der Großstadt Göteborg, der zweite aus Kiruna, einer Kleinstadt ganz im Norden Schwedens.
  2. griffen sie auf Daten aus zwei früher durchgeführten Studien zurück: Eine Studie hatte Kinder aus einer Stadt in der Nähe von Göteborg untersucht, die zweite Land-Kinder, die zum Teil auf Bauernhöfen aufwuchsen. Bei diesen Kindern hatte man die Lungenfunktion überprüft. Außerdem war ihr Blut auf bestimmte Zellen des Immunsystems untersucht worden.
    Bei den insgesamt 249 Kindern der beiden Studien fragten Hesselmar und sein Team jetzt noch nach Haustieren im Haushalt.

Was kam bei der Untersuchung raus?

Je mehr Hunde und Katzen während des ersten Lebensjahrs der Kinder um sie herum waren, desto seltener traten Allergiesymptome auf. Die ForscherInnen fahndeten nach Asthma, Ekzemen und der allergischen Rhinokonjunktivitis, die sich durch Rötung, Schwellung und Juckreiz der Augen und eine laufende, oft juckende Nase äußert.

In der ersten Gruppe hatten 49% der Kinder ohne Tiere irgendwann Allergiesymptome; Kinder, in deren Haushalt es fünf oder mehr Tiere gab, hatten dagegen noch nie Allergien. Das Forschungsteam fragte auch nach Allergien im letzten Jahr: 32% der Kinder ohne Tiere hatten eine Allergie, aber kein Kind mit fünf oder mehr Tieren.
In der Gruppe 2 waren die Ergebnisse ähnlich.

Wofür sind die Erkenntnisse hilfreich?

Hesselmar vermutet, dass mehrere Tiere einen „Mini-Farm“ Effekt auf die Kinder haben, so als würden sie auf einer Art Mini-Bauernhof leben. Das bedeutet, die Kinder kommen nicht nur mit den Tieren selbst in Berührung, sondern auch mit anderen Mikroorganismen und weiteren Faktoren wie Schwebeteilchen in der Luft, die das Immunsystem beeinflussen. All das schult das Immunsystem der Kleinkinder Es schützt sie vor späteren Allergien, nicht nur gegen Tiere, sondern zum Beispiel auch gegen Pollen.

Originalstudie

Hesselmar B et al. Pet-keeping in early life reduces the risk of allergy in a dose-dependent fashion. PLOS One 2018;13(12):e0208472

Autorin: kf/ktg