Buchbesprechung: Jutta juckt’s nicht mehr

Die Diagnose Neurodermitis ist für Kinder wie auch deren Eltern eine große Herausforderung. Wiederkehrende Entzündungen, starker Juckreiz, Ausschläge und trockene Haut rauben vielen Familien im wörtlichen Sinn den Schlaf. In Neurodermitis-Schulungen lernen die betroffenen Kinder und ihre Eltern Handlungsstrategien für den Alltag. Das Sachbuch „Jutta juckt’s nicht mehr“ möchte Hilfe leisten und Kinder und Erwachsene zu Neurodermitis-Experten machen.

Unter der Lupe: Jutta juckt’s nicht mehr.

Hard Facts: Geschrieben von Sigrun Eder und  Anna Maria Cavini. Illustration: Hedda Christians. 2012 erschienen bei edition riedenburg. 111 Seiten. Kostenpunkt: 19,90 Euro.

Plot (Achtung Spoiler): Jutta ist ein aktives und ehrgeiziges Mädchen. Aber sie wird durch quälenden Juckreiz beim Sport, beim Spielen in der Natur und anderen, ganz alltäglichen Tätigkeiten regelrecht ausgebremst. Glück im Unglück hat sie, als nach einem lebensgefährlichen Wespenstich endlich die Diagnose „Neurodermitis“ gestellt wird. Das Wissen darüber, was ihr fehlt, bringt ihr Erleichterung. Durch das Gespräch mit der Frau Doktor Bambini lernt sie: Ihre Haut reagiert besonders auf Aufregung, aber auch auf verschiedene Lebensmittel, Pollen und Hausstaubmilben. Nach einer stressigen Zeit mit dem Juckreiz ist nun endlich Entspannung in Aussicht. Es folgen: Übungen, Infotexte, Sachhinweise für Eltern, Malboxen, Erklärungen für Kinder.

Richtig gut gefallen haben uns:

  • die motivierende und klare Sprache
  • die kurze, ereignisreiche Geschichte, welche die Gefühlswelt von Jutta auf wenigen Seiten sehr gut vermittelt
  • der medizinische Anspruch
  • das Glossar (im Text sind einige Fachwörter. Mit dem Glossar machen sich Kinder und Eltern schlau)
  • die Entspannungsgeschichte
  • die Ausmalfelder

Luft nach oben sehen wir:

  • bei der kindgerechten Gestaltung. Das Layout ist das eines Sachbuchs. Die Motivation von Kindern, das Buch selbstständig in die Hand zu nehmen, könnte unter der eher nüchternen Gestaltung etwas leiden. Insgesamt ist das Buch recht textlastig, dicht und enthält auch im Teil für die Kinder viele Fachwörter.
  • bei der Genauigkeit: an einigen Stellen bleiben die Informationen an der Oberfläche, zum Beispiel als Frau Doktor Bambini beschreibt, wie Jutta ihre Medikamente einsetzen soll. Dass Jutta anaphylaktisch auf Insektenstiche reagiert, ist zwar Teil der Geschichte, aber kein Thema.
  • bei der Altersangabe: Wir konnten leider keine Altersangabe finden. Voraussetzung ist, dass das Kind schon eigenständig lesen kann und nicht unbedingt auf grafische Elemente angewiesen ist, um dabei zu bleiben. Und dann richtet sich das Buch auch gleichzeitig an Erwachsene.
  • beim Format: Sachbuch, Kinderbuch, Schulungs- oder Lesebuch? Bis zum Schluss waren wir uns nicht ganz sicher.
  • im Teil „Mach dich schlau!“: Die Seiten können von den Kindern ausgefüllt werden. Wir finden, auf keinen Fall sollte man Kinder mit den Fragen zu den psychosozialen Auswirkungen dort allein lassen. Diese sollten unbedingt gemeinsam mit einem Erwachsenen reflektiert werden.

Fazit: Das Buch enthält eine unheimliche Fülle an Informationen. Es eignet sich gut, um es bei aufkommenden Fragen zu durchstöbern. Aufgrund der breiten Ausrichtung (Erwachsene, Kinder, Jugendliche) und des unklaren Formats besteht die Gefahr, dass diese Sammlung mit wertvollen Informationen für Teile der Zielgruppe unter dem Radar verschwindet. Dies wäre sehr schade. Um Kinder mit dem Thema Neurodermitis behutsam vertraut zu machen, kann es hilfreich sein, das Buch gemeinsam immer wieder in die Hand zunehmen und zusätzliche Lesebücher hinzuzunehmen, die für spezielle Altersklassen konzipiert wurden.

Gesamtbewertung: bewertung_buchbesprechung