12. Oktober 2023
Wenn Schimmelpilzbildung in der Wohnung oder am Arbeitsplatz zum Gesundheitsrisiko wird

Schimmelpilzbildung in der Wohnung oder am Arbeitsplatz ist laut bundesweiter Anfragenhäufigkeit bei Gesundheitsämtern und Verbraucherzentralen das wichtigste Innenraumschadstoffproblem in der Bevölkerung.

 

Laut WHO [1] und Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) [2] haben Bewohner von feuchten und /oder verschimmelten Wohnungen ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen und Atemwegsinfektionen sowie für das Auftreten bis hin zur Verstärkung einer bestehenden Asthmaerkrankung. Unklar ist, welche biologischen Partikel oder Substanzen die eigentliche Ursache dafür sind – die Zusammenhänge zwischen Schimmelpilz und möglichen Gesundheitsproblemen sind komplex. Bei einem Schimmelbefall sind nicht nur Pilzsporen sondern oft auch Bakterien oder Milben beteiligt, von denen vor allem bei Asthma bronchiale, gesundheitliche Risiken ausgehen können.  Die Gesundheit bei Schimmelbefall in Innenräumen ist also stark von der Empfänglichkeit der Betroffenen abhängig – nicht nur in Hinblick auf eine mögliche Allergie.  Schimmelbefall in Innenräumen soll also aus Vorsorgegründen am besten nicht toleriert werden; Ursachenklärung und sachgerechte Sanierung sind dann die wichtigsten Maßnahmen.

 

Die aktuellen Leitlinien zu Schimmelpilz der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) leistet einen Beitrag zur Versachlichung der Schimmelpilzproblematik, um unbegründete Ängste einerseits und die vom Schimmel ausgehenden Gesundheitsrisiken andererseits fachlich zu begegnen [3].

 

Wichtige Punkte im Überblick:

  • Aus medizinischer Indikation sind Schimmelpilzmessungen im Innenraum selten sinnvoll. Vielmehr sollten die Ursachen aufgeklärt und der Befall beseitigt werden.
  • Spezielle Krankheitsbilder bei Schimmelexposition betreffen Allergien und Schimmelpilzinfektionen (Mykosen).
  • Besonders zu schützende Risikogruppen sind Personen mit Asthma/schwer verlaufender COVID 19, schwer verlaufender Influenza/ Mukoviszidose sowie Personen unter Immunsuppression nach Einteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI).
  • Menschen mit einer Schimmelpilzallergie und /oder mit das immunologische Abwehrsystem schwächenden Erkrankungen sollen über die Gefahren von Schimmelexpositionen im Innenraum und über Maßnahmen zur Prävention aufgeklärt werden und entsprechende Expositionen minimieren.
  • Bei entsprechender Exposition sind sehr viele Schimmelpilzarten geeignet, Sensibilisierungen und Allergien hervorzurufen. Im Vergleich zu anderen Umweltallergenen ist das allergene Potential aber insgesamt als geringer einzuschätzen.

Quellen:

[1] World Health Organization (WHO). Guidelines for Indoor Air Quality; Dampness and Mould. WHO, Kopenhagen 2009 ; WHO guidelines for indoor air quality: dampness and mould

[2] Wiesmüller GA, Heinzow B, Herr CEW, Hrsg. Gesundheitsrisiko Schimmelpilze im Innenraum, ecomed Medizin, Heidelberg, München, Landsberg, Frechen, Hamburg 2012

[3] https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/161-001