Allergien – Zahlen und Fakten

Eine Allergie ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Die Folge für Betroffene: chronische Entzündungen an den Kontaktflächen des Körpers zur Umwelt. Allergien werden verstärkt durch die Lebensumstände in modernen Industrieländern. Gesteigerte Hygiene, Umweltbelastungen, der Klimawandel und die damit einhergehende Veränderung der Pflanzenwelt sowie die Globalisierung des Lebensmittelmarkts sind nur einige der Aspekte, die nach heutigem Wissensstand mit der Ausbreitung von Allergien zusammenhängen.

Nach den neuesten Daten der Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde bei 30% der 18 bis 79-Jährigen in Deutschland im Lauf ihres Lebens eine Allergie festgestellt (Selbstangabe). Frauen sind mit 35,8% häufiger betroffen als Männer (24,1%). Die häufigste allergische Erkrankung ist der allergische Schnupfen, gefolgt von Asthma, Neurodermitis und Kontaktallergien. 26% der Kinder und Jugendlichen leiden nach RKI-Erhebung unter einer allergischen Erkrankung.

Der hohen Zahl an Betroffenen steht eine geringe Zahl an Ärztinnen und Ärzten gegenüber, die diese Patientinnen und Patienten kompetent betreuen kann. Eine Anfrage im April 2016 bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ergab, dass im Jahr 2015 bundesweit nur 3,5% aller vertragsärztlichen Ärztinnen und Ärzte die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ trugen.

 

Piktochart Graphik Zahlen & Fakten

Aufgrund der aktuellen Versorgungslage sind viele Patientinnen und Patienten bei Therapie und Behandlung auf sich selbst gestellt. Jede unbehandelte Allergie steht nicht nur für eine persönliche Leidensgeschichte, sondern auch für eine vermeidbare, finanzielle Belastung der Solidargemeinschaft. Ein Beispiel: Die Kosten pro Patient mit allergischer Rhinitis (z. B. Heuschnupfen) liegt einer Studie zufolge bei bis zu 1.545 Euro im Jahr. In dieser Zahl enthalten sind sowohl die direkten Behandlungskosten als auch die indirekten Kosten, die zum Beispiel durch Arbeitsunfähigkeit entstehen.

Eine Fehlbehandlung des Heuschnupfens führt häufig zum so genannten „Etagenwechsel“, das bedeutet zur Ausprägung von allergischem Asthma. Verschiedene Studien haben gezeigt: Die jährlichen Kosten für einen Patienten mit chronischer Asthmaerkrankung und begleitender allergischer Rhinitis liegen bis zu sechs Mal höher als die Kosten für die allergische Rhinitis allein. Für Europa haben Experten ein Einsparpotential von durchschnittlich 84 Milliarden Euro jährlich berechnet, würden Allergien korrekt behandelt.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. T. Zuberbier
Letzte Änderung: Juli 2016