Neurodermitis

Neurodermitis (Fachbegriffe: atopische Dermatitis, atopisches Ekzem) ist eine häufige, chronisch oder in Schüben verlaufende, entzündliche Hauterkrankung, bei der die Patienten zu trockener Haut und Ekzemen neigen. Meist wird sie von starkem Juckreiz begleitet. Die Krankheit ist nicht ansteckend und kann heutzutage meist gut behandelt werden.

Verbreitung bei Kindern und Erwachsenen

Die Häufigkeit der Krankheit ist unter anderem klima- und altersabhängig. Im sonnenarmen Nordeuropa sind bis zu 25 % der Bevölkerung davon betroffen, während an den Küsten Südeuropas nur etwa 1 % darunter leidet. Für Deutschland gehen Experten anhand von Daten der Krankenkassen von einer Häufigkeit von insgesamt 1015 % aus: Babies und Kleinkinder sind mit 23 % die am stärksten betroffene Altersgruppe. Bereits im Schulalter sind es nur noch etwa 8 % der Kinder. Die Zahlen zeigen also, dass sich die Krankheit bei einem großen Teil der Patienten mit zunehmendem Alter bessert. Jedoch handelt es sich nicht um eine „Kinderkrankheit“, denn auch 24 % der Erwachsenen haben Neurodermitis. Spontanheilungen sind aber zu jedem Zeitpunkt möglich.

Ursachen und Auslöser

Die Veranlagung zur Neurodermitis ist erblich bedingt. Ob die Krankheit tatsächlich auftritt, hängt jedoch von vielen weiteren Faktoren (Fachbegriff: Trigger-Faktoren, Trigger=englisch für Auslöser), ab. Das bedeutet, dass zwar die Wahrscheinlichkeit, an Neurodermitis zu erkranken, für Kinder betroffener Eltern höher ist als für Kinder nicht-betroffener Eltern. Eine verbindliche Vorhersage gibt es aber nicht. Trigger-Faktoren, welche die Krankheit verschlechtern oder Schübe auslösen, können beispielsweise Allergien sein. Nicht immer wird jedoch ein Auslöser gefunden.

Worin besteht nun der Unterschied zwischen gesunder Haut und der eines Neurodermitis-Patienten? Vereinfacht gesagt, gehen Forscher davon aus, dass der Selbstschutz der Haut bei Neurodermitis weniger gut ist und das Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten ist. Durch die gestörte Barrierefunktion verliert die Haut Feuchtigkeit und kann sich schlechter gegen äußere Reize, aber auch gegen Bakterien oder Viren zur Wehr setzen.

Beschwerden

Die Beschwerden bei Neurodermitis sind individuell und hängen unter anderem vom Alter des Patienten und vom Verlauf und der Schwere der Erkrankung ab. Im Allgemeinen treten trockene Haut und Ekzeme auf, häufig kommt starker Juckreiz dazu. Manche Patienten zeigen aber auch eine Verdickung der Haut oder haben Knötchen oder Pusteln. Bei Säuglingen finden sich die betroffenen Stellen meist vor allem im Gesicht, auf der Kopfhaut oder an den Streckseiten von Armen und Beinen. Bei Kindern sind typischerweise die Beugen wie Ellbeugen, Kniekehlen , Hand- und Fußgelenke betroffen, im Erwachsenenalter häufig Hände und Gesicht. Prinzipell können alle Körperregionen betroffen sein.

Diagnose

Wenn der Arzt eine Neurodermitis vermutet, wird er zunächst die persönliche und familiäre Krankengeschichte (Fachbegriff: Anamnese) erfragen und die gesamte Haut gründlich untersuchen. Dabei wird er auch versuchen, mögliche psychosomatische Hintergründe, Umweltfaktoren und Ernährungsgewohnheiten zu entdecken. Um die Krankheit von anderen Hauterkrankungen abzugrenzen, sind die Beschwerden und das äußere Erscheinungsbild oft ausreichend. In seltenen Fällen wird auch eine kleine Hautprobe entnommen (Fachbegriff: Biopsie) und mikroskopisch untersucht.

Ob die genauere Untersuchung möglicher Allergien sinnvoll ist, muss von Mensch zu Mensch entschieden werden. Viele Patienten reagieren in Tests nämlich empfindlich auf Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben. Dann sollte abgeklärt werden, ob sich diese Sensibilisierung tatsächlich auch gesundheitlich auswirkt.

Therapie

Jeder Patient mit Neurodermitis sollte abhängig vom Schweregrad und Verlauf individuell behandelt werden; eine allgemeingültige Therapie gibt es nicht. Die Basis der Behandlung bildet aber die Hautpflege. Dabei kommen oft rückfettende Cremes und spezielle, gut verträgliche Waschlotionen zum Einsatz. Außerdem empfiehlt es sich, Trigger-Faktoren – falls diese bekannt sind – zu vermeiden oder zu verringern.

Die Behandlung wird der Krankheitsschwere angepasst. Bei leichten bis mittelschweren Ekzemen werden zunächst zum Beispiel kortisonhaltige Cremes oder so genannte topische Immunmodulatoren verordnet. Beide Therapieformen zielen darauf, die Entzündung zu beseitigen und den Juckreiz zu lindern. Nur bei Patienten mit einer anhaltend schweren Erkrankung wird der Arzt eine sogenannte Systemtherapie verschreiben – also Medikamente, die im ganzen Körper wirken und zum Beispiel in Tablettenform eingenommen werden.

Nichtmedikamentöse Behandlungen wie UV-Bestrahlung und Badekuren können eine Behandlung sinnvoll ergänzen. Welche Form sich eignet, muss individuell entschieden werden. Betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie ihren Erziehungsberechtigten stehen in Deutschland außerdem Patientenschulungen durch die AGNES (Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung e.V.) zur Verfügung, die den Umgang mit der Krankheit erleichtern und mit Tipps und Informationen unterstützen.

Viele Patienten führen ohne konkreten Anlass sogenannte Eliminationsdiäten durch: Dabei werden bestimmte Nahrungsmittel wie Milch, Eier oder Zucker vollständig vom Speiseplan gestrichen. Ratsam ist das laut Experten allerdings nicht, denn gerade in Phasen von Wachstum und Entwicklung können dadurch Mangelerscheinungen auftreten. Deshalb sollte eine Eliminationsdiät nur durchgeführt werden, wenn ein Facharzt eine Nahrungsmittelunverträglichkeit diagnostiziert hat, die Neurodermitis auslösen oder verschlechtern könnte, und die Diät empfiehlt. Außerdem sollte eine solche Umstellung immer von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft begleitet werden, um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen.

Leben mit Neurodermitis

Die Behandlung der Neurodermitis fordert meist Geduld und eine Kombination verschiedener Behandlungsmethoden. Krankheitsverlauf, Therapie und Auslöser sind von Patient zu Patient unterschiedlich, deshalb helfen Pauschalempfehlungen den Betroffenen nicht weiter.

Ernährung und Pflege

Unsere Alltagstipps können Sie jedoch dabei unterstützen herauszufinden, ob und wie Sie Neurodermitis durch Ernährung und Pflege positiv beeinflussen können.

Beruf

In manchen Berufen kommen Betroffene mit Reizen in Berührung, die eine Neurodermitis nachteilig beeinflussen können. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Tätigkeit häufiges Händewaschen oder den regelmäßigen Umgang mit hautreizenden Stoffen erfordert, wie es zum Beispiel im Friseurberuf der Fall ist. Wenn Sie einen Beruf ausüben oder erlernen möchten, der die Krankheit möglicherweise verschlechtert, sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt über Möglichkeiten der Vorbeugung.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. T. Zuberbier
Letzte Änderung: Februar 2017