Interview: Mit Allergie auf Klassenfahrt

Teil 1: Alle Schüler sollen mitfahren

Die Klassenfahrt ist für viele Schüler der Höhepunkt des Schuljahres, natürlich auch für Schüler mit Allergien. Die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) hat eine erfahrene Schulkrankenschwester gefragt, wie man eine Klassenfahrt mit allergischen Kindern optimal durchführt. Beate Deckelmann, 47, ist School Nurse an der Berlin Brandenburg International School (BBIS) in Kleinmachnow bei Berlin. Die BBIS ist eine internationale englischsprachige Schule mit rund 700 Schülern aus über 65 Nationen mit zum Teil sehr unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Die Schule geht besonders auf die Bedürfnisse von Schülern mit Allergien ein. Seit diesem Jahr ist sie ECARF-zertifiziert.

„Eine Klassenfahrt bedeutet, dass die Schüler sich in einer neuen Umgebung befinden und einen anderen Tagesablauf haben“, erklärt Beate Deckelmann, „anders als zu Hause sind Allergiker unbekannten Situationen ausgesetzt, und die können zu einer allergischen Reaktion führen. Gleichzeitig ist immer unser oberstes Ziel, dass alle Schüler an der Klassenfahrt teilnehmen“.

Vorbereitung ist alles

Die Vorbereitung der Reise ist das A und O für einen reibungslosen Ablauf. Nachdem Ziel und Programm der Klassenfahrt feststehen, prüft Beate Deckelmann, wo mögliche Gefahren für Allergiker auftreten könnten. Meistens geht es um Kinder mit Nahrungsmittelallergie und Anaphylaxiegefährdung. „Zunächst befasse ich mich mit der Unterkunft, bei uns werden gerne Jugendherbergen gewählt“, sagt sie. „Der Herbergsleitung schicke ich als erstes eine Liste mit Unverträglichkeiten und Allergien der Kinder und frage auch explizit, ob sie sich damit auskennen. Wenn das nicht der Fall ist – und das kommt natürlich auch vor -, rufe ich dort an und versuche alles Notwendige zu erklären.“

Nicht jede Jugendherberge spielt gleich mit

Ablehnung ist mitunter die erste Reaktion von Herbergen, die nicht auf den Besuch von Allergikern vorbereitet sind. Entweder soll die ganze Klasse lieber nicht kommen oder doch wenigsten nicht die Schüler mit Allergien. Beate Deckelmann kann die Jugendherbergen verstehen: „Gerade bei mangelnder Erfahrung mit Allergikern hat die Herbergsleitung einfach Sorge, dass den Kindern etwas passieren könnte.“ Sie erklärt: „Ich höre diese Sorgen als Zeichen des vorhandenen Verantwortungsgefühls. Darauf aufbauend informiere ich über Allergien und die Möglichkeiten, wie man als Herberge damit umgehen kann.“

Wichtigster Bereich für die Vorbereitung der Anreise ist meistens die Küche. „Wenn getrenntes Kochen für Nahrungsmittelallergiker nicht möglich ist, biete ich zum Beispiel an, dass dem Schüler von zu Hause sein eigenes Essen mitgegeben wird. In der Regel hilft es aber schon, wenn man mit der Herbergsleitung oder den Köchen den Essensplan durchgeht. Meistens muss nicht so viel angepasst werden, wie in der Küche befürchtet wird, und die Leute sehen, dass der Mehraufwand überschaubar ist.“

Bitte kein Nutella auf den Tischen

Es gibt auch Jugendherbergen, die von vorneherein gut auf Allergiker eingestellt sind. „Einmal hatten wir in unserer Gruppe ein Kind mit schwerer Haselnussallergie und in der Jugendherberge waren gleichzeitig noch andere Klassen. Als ich darum gebeten habe, morgens beim Frühstück kein Nutella auf die Tische zu stellen, sondern lieber Marmelade oder Honig, war das überhaupt kein Problem. Niemand hat die Augen verdreht oder erst mal mit dem Kopf geschüttelt“, freut sich Beate Deckelmann.

Am Mi, 8. Juni, erscheint Teil 2: Sicherheit geht vor.