10. Mai 2019
Erdnuss-Eiweiß gegen Erdnuss-Allergie

Nehmen Kinder und Jugendliche, die gegen Erdnüsse allergisch sind, Erdnussprotein kontrolliert auf, verbessern sich ihre Allergiesymptome. Das zeigt eine internationale Studie, an der auch Forschende der Charité Universitätsmedizin Berlin beteiligt waren.

Alle drei Minuten kommt in den USA jemand wegen einer Nahrungsmittelallergie in die Notaufnahme, aber bisher gibt es kein einziges von der FDA zugelassenes Medikament dagegen“, so die Chicagoer Kinderärztin Christina Ciaccio, die an der Studie ebenfalls beteiligt war. Die FDA ist die Behörde, die in den USA Medikamente zulässt. Die meisten nahrungsmittelbedingten allergischen Notfälle und Todesfälle in den USA gehen auf das Konto von Erdnussallergien.

 

Die im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie testete, ob eine regelmäßig eingenommene, sehr niedrige Menge eines Erdnusseiweißes bei allergischen Kindern und Jugendlichen die Symptome senkt.  Die Studie heißt abgekürzt PALISADE. Das steht für „Peanut Allergy Oral Immunotherapy Study of AR101 for Desensitization“ (auf Deutsch:  „Erdnussallergie: Orale Immuntherapie-Studie mit AR101 zur Desensibilisierung“). AR101 ist ein Medikament, das auf Erdnusseiweiß basiert. Es wird oral eingenommen, also geschluckt.

Wie ist das Team vorgegangen?

Von den 496 StudienteilnehmerInnen zwischen vier und 17 Jahren bekamen drei Viertel das Medikament, ein Viertel ein Scheinmedikament (Placebo). Bei den mit AR101 Behandelten wurde die Medikamentendosis alle zwei Wochen gesteigert. Am Schluss bekamen alle Teilnehmenden Erdnüsse zu essen und sie wurden überwacht, ob und in welchem Ausmaß  Allergiesymptome auftraten.

 

Was kam bei der Untersuchung raus?

Am Ende der Studie vertrugen 67% der Kinder und Jugendlichen, die das Medikament bekamen, wieder eine geringe Menge Erdnuss. Diese Dosis, bei der keine nennenswerten Allergiesymptome auftragen, entsprach etwa zwei Erdnusskernen.

Nur vier Prozent der Teilnehmenden, die ein Placebo bekommen hatten, vertrugen zwei Erdnusskerne ohne nennenswerte Symptome.

 

Allerdings verursachte auch die Behandlung mit AR101 unerwünschte Wirkungen wie Magen-Darm-, Haut- und Atemproblemen. Jede/r Zehnte stieg deshalb vorzeitig aus der Studie aus.

 

Wofür sind die Erkenntnisse hilfreich?

Die Behandlung kann Erdnussallergien nicht „heilen“, aber sie könnte bedeuten, dass mit einem Erdnussprotein behandelte ErdnussallergikerInnen nicht gleich mit lebensgefährlichen Symptomen in die Notaufnahme müssen, wenn sie versehentlich kleinste Mengen Erdnuss essen.
Bisher würde die orale Immuntherapie nicht empfohlen, weil frühere Studien keine ausreichenden Daten geliefert hätten, erklären die AutorInnen der PALISADE Studie. Zugelassen ist das neue Medikament noch nicht.

 

Originalstudie

PALISADE Group of Clinical Investigators. AR101 Oral Immunotherapy for Peanut Allergy. N Engl J Med. 2018 Nov 22;379(21):1991-2001

 

Autorin: kf/ktg