28. Januar 2019
Ernährung: Allergie-Risiko durch Fertigprodukte

Fertiggerichte finden sich im jeden Supermarkt und industriell vorgefertigte Produkte werden in vielen Fast-Food-Restaurants angeboten. Doch die Inhaltsstoffe sind häufig minderwertig. Wer viel davon isst, schadet meist seiner Gesundheit.

Es soll schnell gehen, bequem sein und natürlich schmecken. Das weiß auch die Lebensmittelindustrie und nutzt schickes Food-Design, chemische Stoffe und neue Technologien, um ansprechende Fertigprodukte auf den Markt zu bringen.

Das Geschäft boomt. Die Lebensmittelindustrie produziert laut Statistischem Bundesamt alleine für Deutschland eine Million Tonnen Fertigprodukte pro Jahr. Das Marktforschungsinstitut Statista schätzt, dass der Umsatz der wichtigsten im Supermarkt erhältlichen Fertigprodukte für das Jahr 2019 bei sechs Milliarden Euro liegen wird, 2017 waren es nicht einmal vier Milliarden Euro. Im Schnitt legten die Deutschen im letzten Jahr 4,65€ pro Fertigprodukt auf den Tisch.

Fertigprodukte sind schon bei Kindern und Jugendliche beliebt, weiß das Robert-Koch-Institut aus einer bundesweiten, repräsentativen Ernährungsstudie zu berichten (Fischer 2008). Mädchen im Alter von 12-17 Jahren ernähren sich fast zweimal pro Woche von Fast Food. Jungs greifen noch häufiger zu: 12-15-Jährige rund dreimal und 16-17-Jährige sogar fünfmal wöchentlich. Ganz oben auf der Hitliste stehen Pizza, Hamburger und Pommes Frites.

Nur so gut wie die verwendeten Rohstoffe

„Die Problematik in Deutschland ist nicht der Konsum von Fertiggerichten an sich, sondern deren schlechte Qualität“, erläuterte Kulturwissenschaftler Prof. Gunther Hirschfelder von der Universität Regensburg dem Journalisten Stephan Fuhrer (Redaktionsnetz Deutschland, 2016).

Die Produkte enthalten minderwertige Rohstoffe und kaum Ballaststoffe. Statt Frischware wird häufig nur Pulver beigemischt. Das ist billiger, enthält aber kaum noch Vitamine, Mineralstoffe oder Omega-3-Fettsäuren. Damit zugesetzte Fette länger haltbar sind, werden sie gehärtet, so genannte Transfette entstehen. Diese sind für den Menschen schädlich. Sie erhöhen den Cholesterinwert und begünstigen Gefäßverkalkungen.

Philippa Ellwood von der Auckland Universität in Neuseeland und ihr Team gehen davon aus, dass der hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren und Transfetten auch bei Allergien eine Rolle spielt.
2013 befragten das Team 500.000 Kinder und Jugendliche nach ihrem Essverhaltung und allergischen Beschwerden. Mit folgendem Ergebnis: Wer mindestens dreimal in der Woche Fast-Food konsumierte, hatte häufiger Asthma oder schwere Asthmaanfälle. „Wenn die Zusammenhänge zwischen Fast-Food-Gerichten und allergischen Symptomen ursächlich sind, haben unsere Ergebnisse große Bedeutung für die öffentliche Gesundheit“, so Ellwood.

Das Auge isst mit

Zudem mischt die Industrie Zusatzstoffe in ihre Fertigprodukte, damit sie appetitlich aussehen, länger halten und möglichst gut schmecken. Je nach ihrer Funktion werden diese als Geschmacksverstärker, Farb- oder Konservierungsstoff bezeichnet.

In Europa sind rund 300 Zusatzstoffe für die Verwendung in Lebensmitteln zugelassen.

Viele Fertigsuppen und -soßen, Schmelzkäse, Senf, Pasteten sowie Backwaren enthalten beispielsweise Farbstoffe. Darunter eine Reihe von Stoffen wie Gelborange-S (E 102), Chinolingelb (E 104) und Tartrazin (E 110), bei denen bereits bekannt ist, dass sie allergische Hautausschläge und Schnupfen, Atemprobleme bis hin zu Asthma sowie Neurodermitis auslösen können.

Das hohe Neurodermitis-Risiko fand ein Südkoreanisches Forschungsteam (Park S 2016) auch bei Erwachsenen: Wer mehr als viermal im Monat Fertigprodukte aß, hatte ein um 60 Prozent höheres Neurodermitis-Risiko als jene, die sich traditionell ernährten – was in Südkorea vor allem Reis und milchsauer zubereiteter Chinakohl (Kimchi) bedeutet.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit (Wang 2018) zeigt, dass schon viele Studien einen Zusammenhang zwischen industriell hergestellten Nahrungsmitteln und allergischen Erkrankungen festgestellt haben. Wang und sein Team fordern jedoch weitere Studien, um zu klären, über welche genauen Inhaltsstoffe und Mechanismen Fertigprodukte das Allergie-Risiko beeinflussen.

Bleiben Sie auf der sicheren Seite

Nein, Fertigprodukte sind nicht immer ungesund. Es kommt auf die Inhaltsstoffe an. Werden Rohstoffe in Pulverform zugesetzt und ist die Liste der Zusatzstoffe lang, lassen Sie das Produkt lieber im Regal liegen.

Und wenn es eine Mahlzeit aus dem Pappkarton oder der Dose sein muss, greifen Sie zu Gerichten mit hohem Gemüseanteil und möglichst wenig Fett. Und gönnen Sie sich zusätzlich einen frischen Salat oder Obst als Nachtisch.

Ansonsten gilt: Hamburger, Pizza und Co. lassen sich auch leicht selber aus frischen Zutaten zubereiten.

Quellen

Fischer J et al. Fast Food-Verzehr bei Jugendlichen in Deutschland – Ergebnisse aus EsKiMo – Teil 1: Verzehrsmengen und Energiezufuhr. Ernährungsumschau 2008;55(9):518-22.

Statista: Umsatzzahlen für Convenience Food 2010-2012.

Fuhrer S. Warum wir immer mehr Fertiggerichte essen. Hannoversche Allgemeine, 6.4.2016.

 Ellwood P et al. Do fast foods cause asthma, rhinoconjunctivitis and eczema? Global findings from the International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC) Phase Three. Thorax 2013;68(4):351-60.

Park S et al. Instant noodles, processed food intake, and dietary pattern are associated with atopic dermatitis in an adult population. Asia Pac J Clin Nutr. 2016;25(3):602-13.

Wang CS et al. Is the consumption of fast foods associated with asthma or other allergic diseases? Respirology. 2018;23(10):901-13.