13. Januar 2020
Tattoonadel-Teilchen gehen unter die Haut

Wenn man mit einer bestimmten Tinte tätowiert, lösen sich kleinste Nickelteilchen aus der Tattoonadel. Das kann zu einer Sensibilisierung oder Allergie auf Nickel führen.

Was haben die ForscherInnen gemacht?

Dass Tattoonadeln Chrom und Nickel enthalten, war Ines Schreiver und ihren KollegInnen am Bundesinstitut für Risikobewertung klar. Sie haben sich allerdings gefragt, ob die beiden Metalle beim Stechen eines Tattoos aus der Nadel in die Haut gelangen – entweder durch Abrieb kleinster Teilchen beim Einstechen oder eine chemische Reaktion mit der Tinte. Das hatte bisher niemand untersucht.

 

Wie sind sie vorgegangen?

Zunächst haben sie mit dem Rasterelektronenmikroskop Proben aus Haut und Lymphknoten von fünf tätowierten Personen untersucht. Die SpenderInnen hatten keine gesundheitlichen Probleme mit ihren Tattoos.

 

Dann untersuchte das Forschungsteam Haut- und Lymphknotenproben eines Tätowierten, dessen Haut stark allergisch auf das Tattoo reagierte: Sein tätowierter Adler war gerötet und geschwollen.
Außerdem überprüfte das Team zwei typische Arten von Tinte:

 

1. schwarze Tinte auf Kohlenstoffbasis und
2. weiße Titandioxid (TiO2)-Tinte, mit der sich verschiedene Farbtöne für die Tätowierung herstellen lassen.

 

Beide Tinten enthielten vor dem Tätowieren keine Stahlpartikel.

 

Was kam heraus?

Unter dem Rasterelektronenmikroskop zeigte sich, dass Nadeln, die das Tattoo mit Titandioxid gestochen hatten, abgenutzter waren als Nadeln, die schwarzer Tinte unter die Haut brachten.
In der Haut und in den Lymphkoten wies das Forschungsteam kleinste Chrom-Nickel-Eisen-Partikel nach. Nickel und Chrom sind in Tätowiernadeln enthalten – die Nadeln be¬stehen zwar aus Stahl, aber um sie gegen Säure und chemische Zersetzung zu schützen, sind oft Nickel (6-8 %) und Chrom (15-20 %) zugesetzt. Beide Metalle sind bekannte Allergieauslöser.

 

Das Forschungsteam geht davon aus, dass die Metalle aus der Nadel in den Körper gelangt sind. Mit der Lymphflüssigkeit konnten sie dann in die Lymphknoten abfließen. Es könnte aber auch sein, dass Zellen der Körperabwehr, so genannte Phagozyten, die Metallteilchen in die Lymphknoten transportiert haben. In den Lymphknoten sind dann T-Lymphozyten, die eine Allergie vom Typ-IV auslösen können. Diese Typ IV Allergien werden in der wissenschaftlichen Literatur als zweihäufigste Nebenwirkung von Tattoos genannt.

 

Warum ist die Studie wichtig?

Sie zeigt, dass Nickel und Chrom auch über Tätowiernadeln in den Körper geraten und so für eine Allergie verantwortlich sein können.

 

Quellen

Originalstudie: Schreiver I et al. Distribution of nickel and chromium containing particles from tattoo needle wear in humans and its possible impact on allergic reactions. Part Fibre Toxicol 2019;16: 33

 

„Allergierisiko: Metallpartikel aus Tätowiernadeln in der Haut erstmals nachgewiesen.“ Pressemitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung 33/2019 vom 27.08.2019 

 

Mehr zum Thema

Tattoos können Allergien auslösen. ECARF, Januar 2019.

 

Autorin: ch/ktg