29. Juli 2016
Wie gehe ich mit Essenseinladungen um?

Wir alle kennen dieses Thema. Wir haben Einschränkungen in der Ernährung und dann kommt eine Einladung zum Essen. Wie können wir handeln, damit die Einladung für die Gastgeber und uns selbst ein voller Erfolg wird?

Das Thema „Essenseinladungen“ begegnet uns allen immer wieder und es bewegt uns auch immer wieder. Gerade wenn neue Freunde oder Bekannte in unsere Leben treten oder womöglich der Chef zu einem Essen lädt oder die Kinder zu Freunden eingeladen werden.

Jeder, der selbst einmal Gastgeber war, weiß, dass ein geselliger Abend mit selbst gekochtem Essen viel Freude bereitet, aber auch Stress für den Gastgeber bedeutet. Wird alles gelingen? Wird es den Gästen schmecken? Werden sich alle wohlfühlen? Gedanken, die sich wohl die meisten Menschen machen, wenn sie Freunde zu sich nach Hause eingeladen haben. Gerade deshalb ist es für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten manchmal extra schwer, jemanden um Rücksichtnahme zu bitten. Heute möchte ich erzählen, warum Offenheit die beste Taktik ist, um euren Gastgeber bei einem gelungenen Abend zu unterstützen.

Gute Freunde

Fangen wir mit den guten und schon etwas älteren Freunden an. Das Tolle an guten Freunden ist ja, dass man offener sein kann. Sie begleiten einen schließlich nicht erst seit gestern. Deshalb ist es bei ihnen am einfachsten, ehrlich und so früh als möglich das Gespräch zu suchen und zu fragen, was für die Einladung an Essen geplant ist. Die Freunde wissen bestimmt schon, dass es eine Allergie-, Intoleranz- oder Zöliakie/Gluten-Thematik gibt. Sie wissen bestimmt auch ansatzweise schon, welche Auswirkungen Diätfehler haben können. Und sie sind glücklich, wenn alle Gäste Spaß an der Einladung haben und alle gemeinsam eine gute Zeit verbringen.

Es empfiehlt sich, die Menükomponenten gemeinsam durchzugehen. Sind nur einzelne Zutaten betroffen, so kann gemeinsam überlegt werden, welche Alternativen schmackhaft wären und für alle Gäste verträglich. Liegen starke Allergien wie zum Beispiel Nussallergien vor oder Zöliakie, so ist es wichtig, dass keine Küchenutensilien verwendet werden, die kontaminiert sind. Das ist vor allem bei allen Küchenutensilien so, die aus Holz bestehen. Hier könnte man für das Event das eigene Equipment im Vorfeld an die Freunde verleihen. Menschen, die einem nahe stehen sind auch am richtigen Umgang in den Vorbereitungen interessiert und es spricht ja nichts dagegen, Hilfe bei den gemeinsamen Vorbereitungen anzubieten. Bei ganz kritischen Gerichten und Menükomponenten kann man immer noch vorschlagen, etwas eigenes Vorbereitetes mitzubringen. Gute Freunde möchten nämlich, dass es einem gut geht 😉

Was ist zu tun, wenn man die Gastgeber noch nicht so gut kennt?

Auch hier hilft nur Transparenz. Nach ausgesprochener Einladung macht es Sinn, so früh als möglich auf die Gastgeber zuzugehen. Hier ist etwas Mut und Transparenz mit Fingerspitzengefühl gefragt. Ich weiß, das ist nicht immer einfach. Gerade wenn es geschäftliche Einladungen sind oder der Beginn neuer Freundschaften. Auch nicht immer einfach sind die Situationen, wenn Kinder zu Parties eingeladen werden und man die Gastgeber teils gar nicht kennt.

In allen Fällen ist es am besten das persönliche Gespräch zu suchen, auch in einem Telefonat, aber nicht per Email. In einem Gespräch werden Sie recht schnell bemerken, wie die Einstellung zum Thema Einschränkungen ist. Ich kann empfehlen, das Gespräch so einzuleiten, dass Sie sich für die Einladung zunächst bedanken und dann die „Karten auf den Tisch legen“. Hier ist es wichtig souverän zu bleiben, kurze und klare Sätze machen es dem Gegenüber leichter. Womöglich ist das Gegenüber das erste Mal mit dem Thema Allergien, Intoleranzen, etc. konfrontiert. Es besteht erst einmal keine Notwendigkeit, am Telefon näher darauf einzugehen. Sie können bei der Einladung selbst immer noch darüber erzählen wenn ihnen danach ist und die Gäste inklusive Gastgeber interessiert sind.

Sätze wie: „Ich bedanke mich sehr für ihre Einladung und ich/wir würde/n ihr sehr gerne nachkommen. Ist es möglich, im Vorfeld das Menü kurz zu besprechen? Ich/wir haben gesundheitliche Einschränkungen in der Ernährung. Können wir die Menükomponenten besprechen, damit ich/wir mich/uns darauf einstellen kann/können?“

Sie werden jetzt an der Reaktion der Gegenseite sofort merken, wie die Einstellung ist. Treffen Sie auf eine eher ablehnende Haltung, so lassen Sie sich das Menü geben und entscheiden im Anschluss nach dem Gespräch, ob Sie das Event wahrnehmen können. Sie können unter Umständen Teile des Menüs auslassen. Das erwähnen sie aber auch besser im Gespräch, so ist der Gastgeber darauf vorbereitet. Sollte Gluten ein Thema sein, so ist natürlich immer Vorsicht geboten. Ob Sie unter Umständen eigenes glutenfreies Brot/Kuchen mitbringen, obliegt immer der jeweiligen Situation und der Gastgeber sollte vorab informiert sein. Eines ist klar, Sie haben sofort ein Gesprächsthema. Entscheiden Sie selbst ob Sie das möchten oder nicht. Ist ihnen das Menü zu riskant, dann können Sie immer noch absagen.

Ist die Reaktion Ihrer Situation und Frage gegenüber offen, dann gehen Sie das Menü durch, seien sie konstruktiv, bieten sie Zutatenalternativen an. Sie selbst wissen am besten, was gut klappt. Oft sind Gastgeber sehr dankbar für Hilfe. Sie sind ja neu im Thema. Bieten sie auch an, selbst etwas mitzubringen, wenn sie das Gefühl haben, dass dies willkommen ist.

Kinderparties

Ein besonderer Fall sind Kinderparties. Hier ist es wichtig, dass die Gastgebereltern genau aufgeklärt werden was das eigene Kind nicht essen darf. Geben Sie notfalls eigenes Essen mit, das Sie mit den Gastgebern vorher abgesprochen haben. Sind sehr schwere Allergien, zum Beispiel gegen Erdnüsse oder Milch vorhanden, so klären Sie diesen Aspekt auch mit den Eltern ab. Schlagen Sie ruhig eine Alternative für Erdnussflips oder ähnliches vor. Oft haben ja die Einladenden noch keine Erfahrung mit dem Thema und sind dankbar für jeden Tipp. Das klappt natürlich nur wenn die Gastgeber dafür Verständnis haben. So grenzen Sie Ihr Kind am wenigsten aus und es kann mit seinen Freunden eine gute Zeit verbringen.

Es lohnt sich

Vermutlich werden Sie gerade bei neuen Freunden, Bekannten oder in einer beruflichen Runde erfahren, dass Sie gar kein Einzelfall sind. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Ich selbst gehe mit dem Thema „Ernährungseinschränkung“ so natürlich und konstruktiv wie möglich um. In der heutigen Zeit haben immer mehr Menschen Allergien oder Intoleranzen. Es ist mir aber wichtig, dass das Thema dann nicht das jeweilige Event dominiert. Das kann nämlich schnell passieren, weil das Interesse groß ist und viele Menschen betroffen sind. Bislang hat noch niemand über mich gedacht, dass ich deshalb minder leistungsfähig sei oder eine schlechtere Freundin. Ich habe mit dem transparenten, positiven aber nicht dominanten Zugang nur gute Erfahrungen gemacht.

Einladungen sage ich heute nur noch höchst selten ab. Zugegeben – manchmal kostet es mich Mut, nicht abzusagen. Es lohnt sich aber und wenn es mal gar nicht klappt mit dem Essen, kann man eine Einladung immer noch ausschlagen und selbst einladen 😉

Autorin: Stefanie Grauer-Stojanovic
Juli 2016